Weltberühmte Musik und eine versteckte Kapelle aus dem Mittelalter: Die Wiener Hofburgkapelle

Hofburgkapelle
Wer würde hinter der barocken Fassade der Hofburg eine solche feine, spätgotische Kapelle vermuten? Am Tag des Denkmals und im Rahmen anderer Veranstaltungen kannst du die Chance ergreifen und ehemals bedeutendste Kapelle des Wiener Hofs besichtigen. ©Regina Aigner BKA

kurz&bündig

Wenn ihr ganz aufmerksam durch den ältesten Bereich der Wiener Hofburg geht, beim Schweizertor in Richtung Burggarten abbiegt, dann könnt ihr noch heute Reste der ehemals bedeutendsten Kapelle des Wiener Hofs entdecken. Unscheinbar und versteckt ragt der ehemals doppelgeschossige Chorschluss in einen kleinen Hof der Hofburg. Den Rest gibt’s bei speziellen Veranstaltungen zu entdecken.

Oft bin ich schon durch die Hofburg spaziert. Durch die imposante Kuppel beim Michaelertor, vorbei am schwarz-roten Schweizertor. Erst spät bin ich am Schweizertor auch abgebogen und weiter in Richtung Burggarten spaziert. Eine versteckte Route, eine, die kaum von Touristen frequentiert wird. Ein Weg, der mich eher zufällig als beabsichtigt, auch zur Wiener Hofburgkapelle führte. Zur barocken Fassade, die kaum eine mittelalterliche Kapelle dahinter vermuten lässt und zum spätmittelalterlichen Chorschluss, der völlig deplaziert in den dahinter liegenden kleinen Hof ragt.

Seit ich nicht mehr in Wien wohne haben diese Spaziergänge und die damit verbundenen Begegnungen mit der Hofburgkapelle aufgehört. Seitdem ist es vor allem der Tag des Denkmals, der mich immer an die kleine Kapelle denken lässt. Denn an diesem Tag Ende September wird die Kapelle Jahr für Jahr der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Programm ist zwar immer etwas anders, die Möglichkeit einen Blick in die spätmittelalterliche Kapelle zu werfen, bleibt aber bestehen. Auch ich hatte einmal das Vergnügen am Tag des Denkmals Besucher durch die Hofburgkapelle zu führen und ihnen mehr über die Geschichte, Architektur und Nutzung zu erzählen.

Tja und da der Tag des Denkmals schon wieder vor der Tür steht (29.09.2019), möcht‘ ich der kleinen Kapelle auch hier ein wenig Raum geben und mehr von diesem versteckten Sakralbau erzählen; und euch dabei gleichzeitig einen ganz speziellen Ausflugtipp mitgeben: eine Führung oder Konzertbesuch am Tag des Denkmals. Oder (ein anderes Mal) ein Besuch im Rahmen der weltberühmten Konzerte der Wiener Sängerknaben, die hier regelmäßig stattfinden.

 

Hofburgkapelle, Hofmusikkapelle, versteckte Kapelle.

Gehört ja auch irgendwie zusammen, Hofburgkapelle und Sängerknaben. Wahrscheinlich schon seit der Gründung der architektonischen Kapelle im 13. Jahrhundert wurde die Wiener Hofmusikkapelle gegründet, die noch heute existiert und sich aus Teilen der Wiener Philharmoniker, des Herrenchors der Wiener Staatsoper und den Wiener Philharmonikern zusammensetzt. Österreichisches Kulturgut also, das auch weniger Musikbegeisterten ein Begriff ist. Ort ihres Wirkens damals wie heute: die Hofburgkapelle.

 

Die Geschichte der Hofburgkapelle

Über das ehemalige Aussehen des mittelalterlichen Baus

Die Hofburgkapelle war schlicht gesprochen die Hauskapelle der Habsburger (ja quasi Standard und sowieso Muss, so gab es ja auch auf Burgen Hauskapellen). Und weil die Kapelle einfach von einer Residenz nicht wegzudenken ist, ist auch irgendwie klar, dass diese schon seit Anbeginn der Hofburg im ausgehenden 13. Jahrhundert bestand. Eine wohl zweigeschossige, einschiffige Anlage im südöstlichen Teil des Schweizertrakts (die ursprüngliche Hofburg) und somit Bestandteil der ältesten Teile der Hofburg. 1301 wird Herzog Albrecht I. als Gründer der Kapelle genannt.

Schon ein paar hundert Jahre später, im 15. Jahrhundert, wurde die Hauskapelle radikal neu gestaltet. Diesmal von Albrecht V. Man munkelt Anlass sei seine Hochzeit 1421 mit Elisabeth, der Tochter König Sigismund gewesen. Die ihm nun Türen und Toren zur königlichen Familie und auch zum Königsthron eröffnete: Denn Elisabeth war die einzige Tochter, er der einzige Schwiegersohn. Ein Riesenschritt hin zur Krone.  Klar, dass er seinen neuen Machtanspruch deutlich machen wollte und wo ging das besser als an der eigenen Hauskapelle.

1425 wurde der Umbau mit einer Weihe abgeschlossen. Ein ebenso doppelgeschossiger Bau, einschiffig, aber nun doppelt so lang. Der polygonale (5/8) Chorschluss ragte nun über die Stadtmauer und den Burggraben hinaus, sprengte praktisch diesen Hofburgkomplex und war auch von außerhalb der Stadt von weither sichtbar. Ebenso dürfte sie erhöht und im Westen mit einer repräsentativen Fassade samt doppelgeschossigen Vorbau und Dachreiter ausgestattet worden sein. Sodass man die höfische Kapelle nicht nur bei Annäherung der Stadt sah, sondern mit ihrer absoluten Modernität und ausgezeichneten Gestaltung zu jener Zeit auch direkt im Schweizerhof selbst konfrontiert wurde.

Hofburgkapelle, Chorpfeilerfiguren
Die Chorpfeiler wurden mit einem Figurenzyklus unter spätgotischen Baldachinen geschmückt und sind noch heute vor Ort zu bewudern.

Diese setzt sich auch innen fort: ein Netzrippengewölbe, das im Chor ein Sterngewölbe ausbildet, spannt sich noch heute über den Raum. Geschmückt mit vier überaus dekorativen, fein gearbeiteten Schlusssteinen, mit einem Chorpfeilerfigurenzyklus unter Baldachinen und einem großen Fresko. Eine zweite Weihe 1449 weist darauf hin, dass auch Kaiser Friedrich III. mit Umgestaltungen beschäftigt war.

Warum sich ein Giebel im Dachboden versteckt – die Vereinheitlichung der Hofburg unter Maria Theresia

Mittelalterlicher Giebel der Hofburgkapelle Wien
Früher von weither sichtbar, heute versteckt im Dachboden der Hofburg: der mittelalterliche Maßwerkgiebel, der manchmal in Rahmen von Führungen noch für die Öffentlichkeit zu sehen ist. ©Foto: Bettina Neubauer-Pregl / BDA (2011)

Zu sehen ist davon heute noch viel. Grund sind Umbauten an der Kapelle und der Hofburg selbst. Einerseits ist die Doppelgeschossigkeit heute nicht mehr gegeben, denn nach der Einebung des Burggrabens verschwand das Untergeschoss unter der Erde. Nur noch ein Gesims am Chor und ein Teil der Fensterrahmung verweist auf diesen heutigen unterirdischen Bauteil. Andererseits ist durch den Bau der Botschaftsstiege, der Vereinheitlichung der Fassaden und der Erhöhung des Kapellenvorbaus vom damaligen repräsentativen Giebel nichts mehr zu sehen. Nur wenn Auserwählte bei speziellen Führungen in den Dachboden der Kapelle geführt werden. Denn dort ist er, ganz versteckt, erhalten.  So gewinnt man einen Eindruck wie verbaut dieser Hof durch die Umgestaltungen Kaiserin Maria Theresias wurde. (Übrigens ist die Kaiserin auch stark für den inneren Raumeindruck verantwortlich. Durch den Einbau von Emporen und Oratorien ist die Vertikaltendenz der Kapelle verloren gegangen, auch der klassizistische Hochaltar im Osten ist neu).

Hofburgkapelle, Chorpolygon
Heute ragt das Chorpolygon der Hofburgkapelle einfach in den nächsten Hof. Früher über die mittelalterliche Stadtmauer.

Der Chor ragt natürlich ebenso wenig heute mehr über die Stadtmauer hinaus. Denn die ist an dieser Stelle ja auch nicht mehr erhalten. Vielmehr ist er in einem Innenhof zwischen Josefsplatz, Burggarten und Schweizerhof gelandet, sehr eng begrenzt.

Dennoch, um es kurz zusammenzufassen: der Bau ist gut erhalten, der mittelalterliche Eindruck ebenso. Es macht umso mehr Freude die Reste des ursprünglichen Baus zu entdecken, da und dort noch ein spätgotisches Maßwerk zu finden, einen Stumpf eines Dachreiters oder ganz überraschend bei einem Spaziergang durch die Hofburg plötzlich vor dem beeindruckenden Chorpolygon zu stehen.

 

Das rät dir freets für deinen Besuch der Hofburgkapelle

  • Nur während Veranstaltungen zugänglich, wie dem Tag des Denkmals am 29.09.2019 oder im Rahmen von Konzerte der Wiener Sängerknaben. Mehr zu den Konzertterminen auf der Website von Wien Tourismus.
  • Besichtigung am Tag des Denkmals 29.09.2019 von 12:00 – 17:00 (Konzerte 14:00 und und 16:00, Vortrag 15:00). Anmeldung und weitere Infos auf der Website der Veranstaltung Tag des Denkmals.

Info

Hofburg, 1010 Wien
Öffnungszeiten: nur zu Veranstaltungen
Preis: je nach Veranstaltung
Dauer: je nach Veranstaltung, ab 1 Stunde
Aktualisiert: 24. September 2019

Zuletzt besucht: 29. September 2013

 

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