In den Lainzer Tiergarten: ein Naturschutzgebiet am Rande Wiens

kurz&bündig

2450 Hektar, sechs Waldspielplätze, Spazierwege und Lehrpfade, jede Menge Natur und ein Märchenschloss. Kein Wunder, dass der Lainzer Tiergarten jährlich fast eine halbe Million Besucher anlockt. Das beliebte Ausflugsziel am Rande Wiens hält eine Menge Freizeitmöglichkeiten bereit und bildet gleichzeitig den vielfältigsten und außergewöhnlichsten Teil des stadtnahen Wienerwaldes.

Zugegeben, ein wenig ist es schon her, dass ich mich in die Zahl der 500.000 Besucher des Lainzer Tiergartens einreihte. Gehört hab’ ich natürlich schon lange von dessen Existenz, die an einen Wiener einfach nicht vorbei geht. Zu nah, zu groß, zu grün und zu schön ist er einfach, um nicht als Ausflugsziel die Herzen der Wiener höher schlagen zu lassen. Dazu noch gut öffentlich erreichbar und kostenlos zugänglich: Herz was willst du mehr? Spät aber doch hieß es dann auch in meinem Fall Anfang Mai 2014: Nichts wie hin zum Lainzer Tor, nichts wie rein in den Lainzer Tiergarten.

Der Lainzer Tiergarten

Tiergarten, Ausflugsziel oder Naturschutzgebiet?

Was also nun? Tiergarten oder doch Naturschutzgebiet? Streichelzoo oder unberührte Landschaften mit frei herumziehenden Wildtieren? Hübsches Märchenschloss oder umgefallener Baumstupf im Wasser? Waldwege oder Asphalt? Ja. Beides. Alles. Im Lainzer Tiergarten findest du tatsächlich von allem etwas. Da geht es zuerst etwas gestriegelt hinein durchs Lainzer Tor in der Hermesstraße. Gestriegelt weil eben auf Asphaltwegen und vorbei am Informationspavillon. Zwar schon vorbei an hohen alten Bäumen, aber auch an eingezäunten Gehegen mit unterschiedlichen Tieren. Schon hier kannst du die Weite des Wienerwaldes genießen und schon bald bist du auch von eher ursprünglicher Natur umgeben. Da gibt es für aufmerksame Besucher eine Menge zu entdecken.

Lainzer Tiergarten, Teich
Schon kurz nach dem Eingang in den Lainzer Tiergarten findest du immer wieder Flecken unberührter Natur.

Ein Liebesbeweis in Stein gemeißelt – die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten

Und schon nach ein wenig herumflanieren und spazieren erreichst du die Hermesvilla. Ein prächtiger historistischer Bau vom Ringstraßen Architekt Carl Hasenauer. Ein wunderschönes Märchenschloss, das eine ebenso märchenhafte Entstehungsgeschichte bereit hält. Kaiser Franz Joseph ließ das Schloss für seine Frau Elisabeth (Sisi) errichten, um diese – so munkelt man – öfters in Wien zu halten; und obwohl es bekanntlich nichts half, war Sisi dennoch davon verzaubert und soll es „Schloss der Träume“ bezeichnet haben.

Lainzer Tiergarten, Hermesvilla Fassade
Ein richtiges Märchenschloss. Kaiser Franz Joseph I. ließ für „seine Sisi“ die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten errichten. Heute ist die Villa als Dependance des Wien Museums für Besucher zugänglich

Zur verklärenden Romantik ist hier also alles da: Prinzessinnen bzw. eigentlich Kaiserinnen, eine Liebesgeschichte und ein herrliches Schloss. Selbiges kannst du natürlich auch genauer unter die Lupe nehmen: Entweder mit einer „Umrundung“ von außen, bei einer gemütlichen Rast im Café auf dessen Terrasse, oder sogar bei einer Besichtigung innen. Denn die Hermesvilla ist als Teil des Wien Museums für Besucher zugänglich und wartet nicht nur als Objekt selbst auf, sondern beherbergt auch wechselnde Ausstellungen.

Umgeben ist die Hermesvilla vom ehemaligen Jagdgebiet der Habsburger: dem Lainzer Tiergarten. Von meterhohen, dicken Bäumen und von kleinen, verschlungenen Spazierwegen, gesäumt von Parkbänken zum Ausrasten.

Erholung für Mensch und Natur

Lainzer Tiergarten, Baumstamm
Meterhohe, alte Bäume säumen die gestriegelten Wiesen rund um die Hermesvilla.

Wenn du dich weiter in den Lainzer Tiergarten vorwagst, wirst du weniger mit Kultur, dafür mit umso mehr Natur belohnt. Verschiedene Lehrpfade wie ein Natur- und Waldlehrpfad führen durch das Areal, dazu gibt es einen Waldspielplatz für Kinder, um die überschüssige Energie loszuwerden.

Und natürlich gibt es jede Menge Natur, die sich hier ungestört entfalten kann. Anders als man es vielleicht dank seiner Lage und dem ersten Eindruck erwarten möchte, weist der Lainzer Tiergarten eine hohe Artenvielfalt auf. Über 94 verschieden Vogelarten beispielsweise sind hier zu finden, darunter zahlreiche Greifvögel und seltene Vogelarten wie der Weißrückenspecht, der Waldkauz oder die Hohltaube. Auch 13 verschiedene Fledermausarten oder der eigentlich schon ausgestorbene Auerochse nennen den Lainzer Tiergarten ihr zu Hause. In den verschiedenen Teichen und Tümpeln tummeln sich unterschiedliche Reptilien und Amphibien, auf den Wiesen und im Totholz Insekten, darunter Heuschrecken, Hirschkäfer und Schmetterlinge. Und es gibt natürlich jede Menge Wild. Als ältester Tierpark Europas und ehemaliges Jagdgebiet, als Teil des Wienerwaldes, liegt das ja fast auf der Hand. Rund 100 Rothirsche, 200 Damhirsche, 700 Mufflons (Wildschafe) und bis zu 1000 Wildschweine leben im Lainzer Tiergarten.

Das rät dir freets für deinen Besuch im Lainzer Tiergarten

  • Parkplätze sind zwar vorhanden, allerdings nicht in rauen Mengen. Wenn du kannst komm’ öffentlich!
  • Gleich am Infostand beim Eingang gibt es einen Übersichtsplan über den Lainzer Tiergarten und was du alles entdecken kannst. Unbedingt mitnehmen
  • Hunde sind leider im Lainzer Tiergarten nicht erlaubt
  • Du kannst auch mit dem Mountainbike den Lainzer Tiergarten erkunden. Die Helden haben’s ausprobiert und darüber berichtet.

Nützliche Hinweise für deinen Ausflug

Lainzer Tor: Hermesstraße, 1130 Wien
Öffnungszeiten: 05. März–08.Jänner
täglich 08:00–min. 17:00
Freier Eintritt in den Lainzer Tiergarten
Preis Hermesvilla: Erwachsene: 6,00; Senioren: 4,00; Bis 19 Jahre freier Eintritt
Dauer: 2 Stunden
Aktualisiert: 01. Juni 2016
http://www.lainzer-tiergarten.at

MerkenMerken

Wie hat es dir gefallen?
More from Claudia

Time Travel Vienna: Zeitreisen durch Wien!

Im ehemaligen Keller des Michaelerklosters in Wien befindet sich seit 2012 das...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.