Die Gemäldegalerie im Schloss Rohrau – Kunstschätze in einem kleinen Ort in Niederösterreich

kurz&bündig

Das Schloss Rohrau im gleichnamigen Ort war bis 1945 Wohnsitz der Familie Harrach und beherbergt seit 1970 die Privatgalerie der Familie, die von hochrangigen Familienmitglieder über Jahrhunderte aufgebaut wurde. Die Sammlung beinhaltet Werke namhafter Künstler aus Italien, Spanien und Niederlande und zählt heute zweifelsfrei zu den bedeutendsten Privatsammlungen der Welt.

Nach Rohrau will dich freets also heute lotsen. Warum du in so einen kleinen Ort mit gerade einmal 1500 Einwohner fahren sollst? Naja, weil kulturmäßig, und das mag auf den ersten Blick überraschend sein, Rohrau eine Menge zu bieten hat. Einerseits in Sachen Musik (Haydn Geburtshaus) und andererseits in Sachen Kunst (Schloss Rohrau). Diese beiden Dinge sind wiederum miteinander verbandelt, hat doch die Mutter Haydns im benachbarten Schloss Rohrau gearbeitet und wurde der Sohn doch auch von den Harrachs gefördert. Lässt sich also alles schön auf einen Streich „erledigen“, wenn du magst. Musst aber nicht sein. Das ehemalige Schloss der Familie Harrach ist jedenfalls auch so Grund genug nach Rohrau zu fahren. Beherbergt es doch eine der bedeutendsten Privatsammlungen der Welt.

Büste Haydns
Portraitbüste Joseph Haydn. Der Künstler wurde von der Familie Harrach gefördert. Als Dank schenkte er ihnen diese Büste.
©Gemäldegalerie Harrach

Warum im Schloss Rohrau?

Hintergründe der Familie Harrach und Entstehung der Sammlung

Vorab muss festgehalten werden. Die Familie Harrach war nicht irgendeine Familie. Vielmehr gehörte sie zu den wichtigsten Playern ihrer Zeit. Ihre Mitglieder waren Ratgeber und Freunde des Kaiserhauses, Diplomaten, Kirchenfürsten und Vizekönig(e) von Neapel. Darunter waren eifrige Sammler, das gehörte ja damals wie heute quasi zum guten Ton eines Adeligen. So trugen die verschiedenen Mitglieder dieser Familie aus verschiedensten Teilen Europas die Harrach’sche Sammlung zusammen, die seit 1970 in deren ehemaligen Landsitz in Rohrau gemeinsam mit Mobiliar und Kunstgewerbe gezeigt wird.

Schloss Rohrau, Eingangsbereich
Das Schloss Rohrau im gleichnamigen Ort, ehemals Wohnsitz der Familie Harrach, birgt nun dessen Gemäldesammlung und präsentiert die sogenannte Harrach’sche Sammlung in einem angemessenen, prächtigen Rahmen. ©Gemäldegalerie Rohrau

Ferdinand Bonaventura und Aloys Thomas Raimund – Begründer der Gemäldesammlung im Schloss Rohrau

Besonders aktiv waren dabei Vater Ferdinand und Sohn Aloys von Harrach. Ersterer, Begründer der Sammlung, war Botschafter in Madrid, der sich dort neben seinen diplomatischen Aufgaben dem Sammeln spanischer Kunst widmete. Sohn Aloys Thomas Raimund von Harrach war zwischen 1728–1734 Vizeköng von Neapel und im regen Kontakt mit den neapolitanischen Künstlern seiner Zeit. Unter seiner Regierung kamen zahlreiche Kunstwerke nach Wien und Österreich: sei es durch Aufträge des Kaiserhauses, die nun dank des Kontaktes in Neapel gut abgewickelt werden konnten, durch andere Adlige, oder dem Grafen selbst. Der, was das Sammeln betraf, natürlich in die Fußstapfen seines Vaters trat und einen wesentlichen Teil der hochkarätigen Sammlung beitrug.

Die Gemäldesammlung in Schloss Rohrau – ein Geheimtipp!

Ergebnis dieser Sammlertätigkeit der Familie ist nun eine über 450 Jahre gewachsene Sammlung, die rund 400 Objekte umfasst, darunter vor allem Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die nicht unbedeutend sind. Nur so viel dazu: Madrid als Sitz des spanischen Könighauses war kunsttechnisch sowieso bedeutend, das ist klar. Aber auch Neapel, das ja mit Rom oder Florenz in Sachen Kunst noch immer stark konkurrieren muss, war im 18. Jahrhundert ein Kunstzentrum. Als zweitgrößte Stadt Europas und Zentrum der Gegenreformation ein guter, auftragsreicher Ort für Künstler. Hier wurden Klöster und Kirchen aus den Boden gestampft, oder zumindest prächtig umgestaltet.

Gemälde Anton Raphael Mengs, die Heilige Nacht
Anton Raphael Mengs, Die Heilige Nacht, 1770er ©Gemäldegalerie Harrach

Nicht verwunderlich also, dass sich da schon namhafte Künstler, oder besser gesagt, deren Gemälde, an den Wänden des Familienschlosses aneinander reihen. Werke eines Luca Giordanos, Matthia Preti oder Jusepe Ribera, um nur einige zu nennen. Die dem Kunst- und Barockliebhaber auf jeden Fall ein Begriff sind oder spätestens nach dem Besuch in Erinnerung bleiben werden.

Wieder zu Hause: so wird die Gemäldesammlung im Schloss Rohrau präsentiert

Alles in einem stimmigen und angemessenen Rahmen präsentiert, gehst du bei einem Besuch doch auch durch die Räumlichkeiten und somit ehemaligen Besitzungen der Familie Harrach. Die Kunstwerke sind also praktisch wieder zu Hause in Rohrau angelangt.

Seit meinem letzten Besuch ist das Schloss übrigens nur mehr mit Führung zugänglich. Was mich freut. Nicht, dass du jetzt nicht mehr einfach auf eigene Faust durch schlendern kannst. Sondern, weil es auf eigene Faust ohne Führung nicht allzu viel über die Gemälde zu erfahren gibt. Was ich bei meinem ursprünglichen Bericht sogar erwähnt habe („wegen minimaler Beschriftung. Mir wurde die Bedeutung auch erst bewusst, als ich für meine Diplomprüfung alles über neapolitanische Malerei lernte und merkte, wie viele Werke davon eigentlich in Rohrau hängen. Einziges Manko, das man aber mit einer Führung schnell wieder aufwiegen kann, oder mit ein wenig vorab Informieren“). Das Problem ist jedenfalls nun aus der Welt geschafft. Die Ruhe, die ich ursprünglich beschrieben und auch bei meinen zwei Besuchen erlebt habe, hat sich hoffentlich dennoch erhalten.

Das rät dir freets zu deinem Besuch im Schloss Rohrau

  • Das Schloss ist nur mit Führung zugänglich
  • Kombiniere deinen Ausflug mit einem Besuch des Haydn Geburtshauses, ein paar Häuser weiter. Thematisch passt das sehr gut zusammen.

Nützliche Infos für deinen Ausflug

Schloss Rohrau 1, 2471 Rohrau
Öffnungszeiten von Ostern–1. November, Führung: 10:30, 13:30, 15:00
Preis: Erwachsene 12,00; Kinder 6-16: 5,00
Dauer: 1,5 Stunden
Aktualisiert: 27. Juli 2017
http://schloss-rohrau.at

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