Barockgenuss im Stift Altenburg

Eingangsbereich und Kirchturm von Stift Altenburg
Eingangsbereich und Kirchturm von Stift Altenburg © Freets

kurz & bündig

Das Benediktinerstift Altenburg gehört zu den herausragenden Barockbauten Niederösterreichs und trägt nicht umsonst den Titel „Barockjuwel des Waldviertels“. Das ursprüngliche Kloster aus dem 12. Jahrhundert, wurde im 18. Jahrhundert unter Abt Placidus Much großzügig umgestaltet. Bei einem Besuch kannst du neben diesem Barockbau Joseph Munggenasts und dessen Ausstattung von Paul Troger auch freigelegte Reste des mittelalterlichen Klosters besichtigen. Die nebenan gelegenen Gärten laden abschließend zum Verweilen ein.

Dass das Stift Altenburg zu den älteren Klöstern Österreichs gehört, mag man auf den ersten Blick gar nicht glauben. Zu prägend ist der barocke Eindruck, den das Kloster hinterlässt, zu weit verbreitet sein Ruf als barockes Juwel. Dass barocke Kunst aber bei weitem nicht alles ist, was das Stift zu bieten hat, merkt man nicht nur bei der Geschichte, sondern das wirst du auch bei einem Besuch entdecken. Schon auf der Homepage liest man von Schlagwörtern wie: Barockjuwel, Kloster unter dem Kloster, goldener Igel und Stiftsgärten. Klingt nach einem vielversprechenden Ausflug, oder?

Barockjuwel des Waldviertels

mehr zur Architektur und Ausstattung

Das wird schon auf den ersten Blick klar und das zieht sich auch wie ein roter Faden durch den ganzen Bau. Hier handelt es sich um ein Barockjuwel par excellence. Barocker Bau, barocke Ausstattung, alles im Sinne des barocken Gesamtkunstwerkes aufeinander abgestimmt. Grotesken, Putten, prächtige Altäre, Deckengemälde, Kuppelfresken, Zwiebeltürme, eine prunkvolle Bibliothek und ein Marmorsaal sind nur einige Bestandteile davon, die es an fast jeder Ecke des Stift Altenburgs zu erkunden gibt.

Wobei natürlich jetzt schon festgehalten gehört: nicht irgendwer hat das gemacht, sondern nur die Besten der Besten. Kunstgeschichtlich gesehen also alles Top hier. Zu verdanken übrigens dem damaligen Abt Placidus Much (1717–1756). Der nach den zahlreichen Zerstörungen der vorherigen Jahre eine große Umbaukampagne einleitete und die Besten dazu einlud. Namentlich: Joseph Munggenast – ein Tiroler – der hier sein Hauptwerk schuf, mit dem Prälatenhof, Bibliothekstrakt und Bibliothekssaal, der Umgestaltung der Klosterkirche, dem Gästetrakt, Marmortrakt und Stiegenhaus. Highlight: die sage und schreibe 230 Meter lange Schaufassade, die nun das neue Zentrum der Anlage bildet. Mit als Risalit hervorspringende Klosterkirche. Alles am errichteten Altan (Grund für den Mies van der Rohe Preis) zu bewundern. Ausgestattet dann in großen Teilen von Paul Troger. Ein in Kunsthistoriker Kreisen nicht minder berühmter Herr, Maler genauer gesagt, mit großer Nachfolge im Spätbarock. Er hinterließ in Altenburg fast überall seine Spuren: in der Stiftskirche, der Bibliothek, der Prunkstiege, den Hochaltar- und Seitenaltarbildern und dem Marmorsaal.

Ein Kloster unter dem Kloster. Die mittelalterlichen Reste von Stift Altenburg

Stift Altenburg, alter Kreuzgangshof mit ergrabenen Resten des Brunnens und mittelalterlichen Kreuzgangs
Blick in den Klosterhof des alten Kreuzgangs in Stift Altenburg

Noch ein Kloster? Reicht denn das barocke nicht? Nicht dass du das jetzt falsch verstehst! Zwei Klöster in dem Sinne, die einfach übereinander stehen gibt es hier nicht. Das wäre dann doch etwas zu Außergewöhnliches. Gemeint ist mit diesen einprägenden Worten, dass sich im barocken Stift auch Teile des älteren, des Vorgängerbaus, erhalten haben; ja und die liegen eben im unteren Bereich, daher tatsächlich: Kloster unter dem Kloster. Denn Stift Altenburg war nicht immer barock. Vielmehr entstand es im 12. Jahrhundert und ist 1144 das erste Mal erwähnt. Teile dieses Baus wurden bei Grabungen in den 1980er Jahren freigelegt und können nun besichtigt werden.

Genug Kultur!

Abschalten in den Stiftsgärten

Kurz gesagt also kunstgeschichtlich ein wichtiger und beachtlicher Bau. Den du auf eigene Faust oder mit Hilfe eines Audio Guides entdecken kannst. Dafür kannst du dir auch Zeit nehmen solange du möchtest, denn das Ticket gilt den ganzen Tag. Was schon gut ist, denn so ist auch ein wenig Zeit für eine Pause von Kunst und Barock. Im Stiftsrestaurant beispielsweise bei einem Kaffee. Oder in den Stiftsgärten: ein weiteres Highlight. Die dem Stift Altenburg sogar eine Auszeichnung – den goldenen Igel – eingebracht haben. Was konkret heißt: 100% ökologische Gartenpflege.

Blick in einen Teil des Gartens der Religionen in Stift Altenburg
Teile des Gartens der Religionen bei Stift Altenburg

Fünf unterschiedliche Gärten gibt es im Stift Altenburg zu erkunden:

  • den Apothekergarten auf der Ostseite der Klosteranlage, ehemals wohl mittelalterlicher Kräutergarten für die Krankenstation
  • den Kreuzganggarten in der Mitte des Kreuzganges im mittelalterlichen Kloster
  • den Schöpfungsgarten im Süden der Stiftskirche anstelle des ehemaligen „Brunngartls“
  • den Garten der Stille anschließend an die Ostfassade und den
  • Garten der Religionen. Letzterer der größte und ehemalige historische Stiftsgarten.

Alle Gärten für sich unterschiedlich gestaltet, im Einklang mit der heutigen oder früheren Funktion. Der Kreuzganggarten als Garten des mittelalterlichen Stifts wurde beispielsweise mit mittelalterlichen Symbolpflanzen bepflanzt, der Schöpfungsgarten symbolisiert mittels Wege, Pflanzen und anderen Elementen die Schöpfungsgeschichte. Highlight darunter ist sicher auch der Garten der Religionen. Der in fünf Gartenflächen geteilt ist, die den fünf Weltreligionen entsprechen sollen und auch danach gestaltet sind. Augenmerk liegt auf den trennenden und verbindenden Aspekten der Religionen. Eine schöne Idee und eine schöne Gelegenheit auch mal raus zu gehen, weg von Putten und Barock und den Kopf ausleeren. Alles Revue passieren zu lassen oder einfach kurz Verschnaufen bis es weiter geht.

Das empfiehlt dir freets für deinen Besuch im Stift Altenburg

  • Hunde sind nicht erlaubt
  • Der Garten der Religionen ist nicht barrierefrei zugänglich
  • Wenn du dich auch für die Stiftsgärten interessierst, empfiehlt sich eine warme Jahreszeit
  • Du lässt dir lieber etwas erzählen? Kein Problem! Am Samstag, Sonn- und Feiertagen gibt’s um 11:00 und 14:00 eine kostenlose Stiftsführung! Keine Anmeldung nötig, Treffpunkt im Foyer
  • Schnell mal reinschneien? Zwischen 16:00–16:30 gibt’s das „last minute ticket“ um 7,00
  • Du kannst auch am Mittagsgebet teilnehmen. Wenn du also ganz in das Klosterleben eintauchen will, sei es hier auch möglich
  • Für Familien gibt’s eine Familienkarte um 21,00 

Nützliche Hinweise für deinen Ausflug

Abt Placidus Much-Straße 1, 3591 Altenburg
Öffnungszeiten: 01.Mai–26. Oktober, 10:00–17:00 (letzter Einlass 16:00)
Stiftsführung: Sa, So- und Feiertage 11:00 und 14:00
Preis: Erwachsene 12,00; Ermäßigt: 10,00; Alle unter 18 Jahre: freier Eintritt
Dauer: 2 Stunden
Zuletzt besucht: 2014
Aktualisiert: 22. Juli 2017
www.stift-altenburg.at

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