Das Winterpalais des Prinz Eugen! Ein Zweitwohnsitz der sich sehen lassen kann! 

Blick in den Schlachtenbildersaal im Winterpalais des Prinz Eugen
Das Winterpalais des Prinz Eugen in der Himmelpfortgasse ist seit Oktober 2013 der Öffentlichkeit zugänglich. Bei einem Besuch kannst du das barocke Palais und wechselnde Ausstellungen besuchen! ©Oskar Schmidt, Belvedere Wien

kurz&bündig:

Seit Mitte Oktober 2013 ist das Winterpalais des Prinz Eugen der Öffentlichkeit zugänglich. Das ehemalige Stadtpalais der berühmten Feldherren wurde im 17. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert sukzessive vergrößert. Heute kannst du die barocken Prunkräume besichtigen und wechselnde Ausstellungen innerhalb derselben besuchen. Ein beeindruckender Bau wartet!

Ein wenig unbekannt ist es noch, der Winterpalais des Prinz Eugen. Ein wenig versteckt gelegen kann es dir daher auch vorkommen. Fast ganz unscheinbar weht in der Himmelpfortgasse nächst dem Stephansplatz eine rote Fahne des Belvederes. Die barocke Fassade dahinter deutet aber bereits schon darauf hin: Hier hast du es nicht mit einem 0815 Haus zu tun, nein, hier steckt etwas Großes dahinter. Immerhin, eine der zwei Wiener Residenzen des berühmten Prinz Eugens, die Winterresidenz um genau zu sein (im Sommer zog es den Adel dann in ihre prächtigen Häuser vor die Stadt, im Falle des Prinzen ins Belvedere). Und noch genauer gesagt: seit Oktober 2013 eine „neue“ Niederlassung des Museums Belvedere. Das nun das Stadtpalais seiner ehemaligen Funktion wieder näher bringt – wurden doch immerhin einige Räume als Galerieräume verwendet. Und das, nicht zuletzt, dir und mir, die Möglichkeit gibt einen Blick in diesen prunkvollen, großartigen, barocken Bau zu werfen!

Ein ansehnlicher Zweitwohnsitz:

Mehr zur Geschichte des Winterpalais!

Dass Prinz Eugen nicht zu den bescheidensten Menschen gehörte, ist dir ja vielleicht schon aufgefallen. So ist seine Sommerresidenz, das Schloss Belvedere, ja doch etwas anders als andere Schlösser. Weil eben nicht nur ein großes Gebäude zum Wohnen errichtet wurde, sondern durch den groß dimensionierten Bau des sogenannten „Unteren Belvederes“ eigentlich zwei Wohnhäuser am Areal entstanden. Damit du dir die üblichen Dimensionen vorstellen kannst (die natürlich weit über unsere heutigen Standards hinausgehen), kannst du dir vorstellen, dass der Bauteile des Unteren Belvederes normalerweise jene Ausmaße wie die Gloriette in Schloss Schönbrunn hatte. Ein Ort zum Kaffee trinken und Rasten im Garten. Da war sogar das Kaiserhaus bescheidener.

Barock, Prunk und zeitgenössische Kunst: Ausstellungen und Prunkräume im Winterpalais Wien Klick um zu Tweeten

Ein prunkvolles Palais entsteht: die Baugeschichte des Winterpalais

Lange Rede kurzer Sinn: diese „Bescheidenheit“ setzt sich im Winterpalais fort. Das schon wesentlich kleiner ausgefallen ist, als das Sommerpalais, aber dennoch ganz prunkvoll ausgestattet wurde.

Immerhin wurden in Summe ganze vier Grundstücke für den Bau des Winterpalais erworben. Aber nicht gleich zu Beginn. Nein, offenbar wollte Prinz Eugen immer mehr, einen immer größeren Palais und ließ das Palais im Laufe immer weiter ausbauen. So ergeben ich für das Palais drei Bauphasen:

  • 1696 – 1698: Kauf eines Grundstücks und Planung des Palais durch Johann Bernhard Fischer von Erlach mit einem 1702 erworbenen Erweiterungsgrundstück. Jener Bauteil bildet den heutigen Mittelteil des Palais (7 Fensterachsen samt Mittelportal) sowie die Prunkstiege.
  • 1708–1711: Kauf eines 3. Grundstückes und Erweiterung des Palais durch Johann Lucas von Hildebrandt.
  • 1723 – 1724: Kauf eines 4. Grundstückes und Ausbau des Palais (17 Fensterachsen und 3 Portale). Die Bibliotheksräume entstanden in dieser Bauphase.

Das Winterpalais des Prinz Eugen besichtigen!

Schon bevor du den Eingang ins Museum bzw. Winterpalais betrittst, wartet Kunst vom Feinsten auf dich: einen Blick in die Sala terrena im Erdgeschoß solltest du auf alle Fälle werfen! @Sabine Klimpt, Belvedere Wien

Dass der Winterpalais also kein wirklich bescheidener Bau ist, wurde nun sicherlich klar. Was ja für dich als Besucher (vor allem wenn du Stadtpalais’, Schlösser und die barocke Architektur liebst), nur ein Vorteil ist. Weil du bei einem Besuch ja auch jede Menge zu sehen bekommst! Angefangen von der großen überkuppelten Einfahrt und dem tollen sog. „Sala terrena“. Ein mit Grotesken überzogener ebenerdiger Saal, den du gleich rechterhand des Eingangs findest. Hier kannst du schon einmal einen kleinen Eindruck bekommen.

Treppenhaus, Winterpalais Prinz Eugen
Besonders beeindruckend ist das Treppenhaus im Winterpalais ©Oskar Schmidt, Belvedere Wien

Gesteigert wird das Ganze aber noch, natürlich. Der Besucher muss – und musste ja auch damals – beeindruckt werden. Das gelang Prinz Eugen definitiv mit der großartigen Prunkstiege im Winterpalais. Überlebensgroße Atlanten stützen die doppelläufige Treppe und fast scheint es so, als ob sie dir deinen Platz in der Hierarchie bewusst machen möchten – ja sicher nicht über dem mächtigen ehemaligen Hausherrn.

Die Prunksäle und Ausstellungsräume im Winterpalais

Bis du dann im ersten Stock des Palais bei den tatsächlichen Prunkräumen angelangt bist und beim Eingang des Museums. Wo du dir gleich bei Ticket kaufen schon mal einen ersten Eindruck machen kannst, weil die Kassa natürlich auch in einem ehemaligen Wohnraum steht. Und wo in Folge jede Menge Prunk und jede Menge Barock auf dich wartet. Parkettböden mit Intarsien, riesige Luster, bunte Deckengemälde und beschlagene Türen. Viel Gold, viel Schnörksel, viel Prunk und Reichtum. Also genau das, was du dir von einem barocken Stadtpalais erwartest und genau so soll es auch sein. Mein persönliches Highlight war die kleine Kapelle, dessen Altar übrigens aus dem Schlafzimmer des Prinz Eugen stammte und das Goldkabinett, dessen original erhaltene geschnitzte, goldene Decke durch die Beleuchtung wie aus sich selbst zu strahlen scheint.

Blauer Salon mit Luster und Deckenfresko
Deckenfresken, Gold, Gemälde und Luster: im Winterpalais wartet jede Menge Prunk auf dich! ©Oskar Schmidt, Belvedere Wien

Einblick in die Hauskapelle im Winterpalais, Prinz Eugen
Auch eine eigene Kapelle darf natürlich im Winterpalais nicht fehlen! ©Oskar Schmidt, Belvedere Wien

Die Einrichtung der Räume ist übrigens nicht mehr erhalten. Bewaffnet mit einem Plan und der dort gedruckten Beschreibung zu den Räumen kannst du dir aber Informationen über dessen Nutzung einholen. Weißt zumindest, dass du durch den damaligen Audienzsaal schlenderst (sicher stressfreier als die Besucher damals) oder dass die drei letzten Säle eigentlich voller Bücher waren. Die umfassende Büchersammlung – nur so am Rande – wanderte übrigens von einem Prunksaal zum anderen und befindet sich heute in den Prunksälen der Österreichischen Nationalbibliothek. Im letzten Raum (nach der Garderobe) findest du übrigens auch ein paar Ansichten vom Winterpalais mit der ursprünglichen Einrichtung.

Ausstellungsort statt von Wohnort: das Winterpalais als Teil des Belvedere Wiens

Gefüllt ist das Winterpalais also nicht mehr mit Möbeln des geschätzten Hr. Eugens, sondern mit Objekten der jeweiligen temporären Ausstellungen. Schwerpunkt bildete bisher die Barockzeit (Sammlertätigkeit Prinz Eugens / „Fürstenglanz. Die Macht der Pracht“), aber auch zeitgenössische Kunst (Ólafur Elíasson). Wir selbst haben die Ausstellung Fürstenglanz besucht, weil ich einfach die volle Ladung Barock und Prunk haben wollte und sich das auch in den ausgestellten Objekten wiederspiegeln sollte. Aber auch der Kontrast zwischen zeitgenössischer Kunst als Ausstellungsobjekte und dem barocken Rahmen des Winterpalais ist sicher reizvoll. Das musst du dann am besten ganz für dich entscheiden! Ein Besuch im Palais lohnt sich aber allemal, allein die Räume sind es schon wert, zu kommen!

Das rät dir freets für deinen Besuch im Winterpalais

  • Derzeit läuft noch bis 26.06. die Ausstellung „Fürstenglanz. Die Macht der Pracht“. Hier präsentiert sich der Winterpalais in all seinem barocken Prunk. Die Ausstellung widmet sich der Sammlertätigkeit unterschiedlicher Fürsten und Könige Europas.
  • Vor allem bei zeitgenössische Ausstellungen im Winterpalais kann es natürlich sein, dass der Blick auf das ursprüngliche Palais „verstellt“ wird. Der Kontrast ist aber sicher sehr reizvoll.
  • Den Eingangsbereich samt Prunkstiege kannst du auch ohne Ticket besichtigen. Ein Blick hinein, wenn du in der Nähe bist, lohnt sich definitiv!

Nützliche Hinweise für deinen Besuch

Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien
Öffnungszeiten: täglich 10:00–18:00
Preis: Erwachsene: 9,00; Senioren (ab 65), Studenten (bis 26): 7,00; Kinder und Jugendliche bis 18: freier Eintritt
Dauer: 1 Stunde
Ausstellung bis 26.06.2016: Fürstenglanz. Die Macht der Pracht
Aktualisiert: 02.06.2016
www.belvedere.at/bel_de/winterpalais/

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