Die Bienenfresser beobachten: Exotische Gäste am Neusiedlersee

Bienenfresser auf einem Ast
Bienenfresser in Weiden am See © Thomas Wagner

kurz & bündig

Um eine exotische Tierwelt zu erleben, musst du nicht immer weit reisen oder einen Zoo besuchen. Zwischen Mai und August reicht dafür auch das Burgenland. Denn dann lassen sich die Bienenfresser zur Brut und Aufzucht ihrer Jungen zwischen Gols und Weiden nieder. Über eine Plattform oder im Rahmen einer geführten Wanderung kannst du die schillernden Vögel ungestört beobachten. Ein faszinierender Anblick, der dich in eine andere Welt entführt!

Dass der Nationalpark Neusiedlersee im Burgenland in Sachen Ornithologie viel zu bieten hat, ist vielleicht nicht neu für dich. Da brauchst du nur einmal durch Illmitz oder andere Ortschaften am Neusiedlersee zu fahren, um das mitzubekommen. Statt Wildwechsel wird hier ja bekanntlich vor „die Straße querenden“ Graugänsen gewarnt. Es mag dich also nicht überraschen, dass ein Ausflugstipp am Neusiedlersee mit Vögel zu tun hat.

Schillernde Vögel, steile Lösswände und stille Beobachter

Von grau (Stichwort Graugänse) kann bei diesem Freizeittipp aber nicht die Rede sein. Denn dieser führt dich nach Weiden am Neusiedlersee. Zu einem Ort, wo sich in den Sommermonaten viel exotischer anmutende Artgenossen tummeln: die Bienenfresser. Bunte Vögel mit rot-türkis-gelbem Federkleid, die hier ihre Jungen aufziehen und Jagd auf Bienen machen.

Was dir vielleicht neu ist (mir definitiv war) ist gar nicht so neu. Denn schon seit dem 19. Jhdt. wurden die wärmeliebenden Vögel in Österreich gesichtet, seit der 2. Hälfte des 20. Jhdt. auch im Burgenland. Genauer am Neusiedlersee; und seitdem kommen sie jährlich.

Für dich heißt das vor allem eines: Hier kannst du einen Einblick in die farbenfrohe Tierwelt erhaschen und ein außergewöhnliches Vogelexemplar live erleben!

mehrere Bienenfresser auf einem Baum
Exotische Gäste zu Besuch! Zwischen Mai und August lassen sich die Bienenfresser bei Weiden am Neusiedlersee zur Brut und Aufzucht ihrer Jungen nieder! Und du kannst sie dabei ungestört beobachten!

Zwischen Weiden am See und Gols und zwischen Mai und August kannst du diese bunten Vögel bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten. Ganz ungestört auf einer Plattform, oder mittels einer geführten Wanderung. Zu sehen wirst du so einiges bekommen, denn hier brütet eine ganze Kolonie. Durch ihre leuchtenden Farben – ihre türkisen Bäuche, gelben Kehlen und roten Köpfe und Flügel – heben sich die Bienenfresser optisch gut von der Wand ab und lassen sich hervorragend beobachten.

Bis sie im August das Burgenland wieder verlassen und sich mit ihren nun flugtauglichen Jungvögel auf den Weg zu ihren Winterquartieren in Afrika machen. In der Zeit, wenn du die Bienenfresser in Weiden zu Gesicht bekommst, dreht sich also alles um den Nachwuchs. Je nach Monat werden die Bienenfresser unterschiedlich weit sein in diesem Prozess. Anfang Mai werden sie noch ihre Brutröhren anlegen. Ende Mai die 2–7 Eier in diese platzieren. Kommst du noch ein paar Wochen später wirst du dann schon die frisch gebackenen Eltern herumfliegen sehen, die ihren Nachwuchs mit Nahrung versorgen. Erst Ende Juli werden diese dann ihre Brutröhren verlassen und erste Flugversuche wagen.

 

Die Bienenfresser

mehr Infos zu den exotischen Bewohnern am Neusiedlersee

Warum gerade der Neusiedlersee als Zweitwohnsitz von den Bienenfressern auserkoren wurde

Lösswand bei Weiden am See mit Bruthöhlen der Bienenfresser
Steile Lehm- und Lössböden nutzen die Bienenfresser als Brutplatz! Kannst du ein paar entdecken?
  • Warme Temperaturen

Ursprünglich waren die Bienenfresser in den Mittelmeerländern, am Balkan, auf der Arabischen Halbinsel oder im Westen Russlands angesiedelt. Gemeinsamer Nenner dieser Destinationen: warme Temperaturen. Und da es diese nun auch im Burgenland gibt, wurde der Wohnort einfach ausgeweitet. Mittlerweile geht es übrigens schon so weit, dass die Vögel bis nach Dänemark oder die Britischen Inseln fliegen. Sie sind quasi die Gewinner des Klimawandels.

  • Der neuer Brutplatz als Notlösung

Alles spielt sich natürlich um den Brutplatz der Kolonie ab. In diesem Fall eine hohe, sandig-lehmige Steilwand zwischen Gols und Weiden. Grundsätzlich brauchen die Bienenfresser auch genau das zum Brüten. Unbewachsene, steile, sandige, lehmige oder lösshaltige Flächen in die sie ihre bis zu 1,5m langen Brutröhren graben, an dessen Ende die Brutkammern folgen. Lange wurden dazu Flussufer genützt. Da heute Flüsse oft reguliert wurden, bieten diese heute wenig passende Brutplätze. Daher weichen die Vögel auf Sand- und Lehmgruben oder Weinterrassen und Hohlwege aus. Vor allem das Burgenland und Niederösterreich ergriffen Initiativen, um dieses Problem zu lösen und neue Brutplätze für die Bienenfresser zu schaffen.

  • Das Futterangebot

Gut über das Vorkommen von Insekten am Neusiedlersee brauch‘ ich dir wahrscheinlich nichts zu erzählen, wenn du schon einmal an einem Sommerabend hier warst. Nur so viel: davon gibt es genug. Für die spezielle Art von Nahrung und für eine ausreichende Beschaffung derselben haben sich die Bienenfresser aber auch einiges überlegt.

Wie Bienen schmecken

Stichwort Futter. Das ist bei Bienenfressern unter anderem – „Nomen est Omen“ – die Biene. Die, das weißt du sicher nur zu gut, sticht, wenn sie sich in Lebensgefahr befindet. Und wenn man gerade dabei ist, eine Biene zu verspeisen, kann das ja nicht nur unangenehm, sondern auch lebensgefährlich sein. Den exotischen Tieren scheint das aber egal zu sein. Weil wenn man schon extravagant aussieht, dann muss man auch extravagant speisen oder?

Wie aber funktioniert das? Wie können die Vögel rund 250 Insekten, darunter Bienen, Wespen, Hummeln, Hornissen, pro Tag verzehren?

Nachdem die Vögel die Insekten im Flug erbeutet haben, schlagen sie diese gegen einen Ast. Sodass der Stachel abfällt, oder sich zumindest die Giftdrüse entleert. Gefahr gebannt also. Aber sicher ist sicher. Deswegen bringen die Eltern ihrem Nachwuchs auch lebende Bienen mit in die Brutkammer. Nicht um sie zu quälen, sondern um sie zu schützen. Damit sie zwar gestochen werden, aber nur geringfügig und somit gegen das Bienengift immunisiert werden. Innerhalb von zirka 14 Tagen ist selbiges dann auch geschehen und hält ein Leben lang.

250 Insekten pro Vogel pro Tag ist eine große Menge. Und die gilt ja nur für einen Bienenfresser. Natürlich müssen die Eltern auch ihren Nachwuchs versorgen und daher steigt der Bedarf an Insekten in der Nestlingszeit – immerhin 30 Tage lang – enorm. Da sind die Eltern natürlich fleißig unterwegs auf Nahrungsfang, was dich als Besucher natürlich freuen wird, weil sich da so einiges tut vor den Bruthöhlen. Aber nicht nur die Eltern: auch die jungen, erst einjährigen, Vögel und jene ohne Nachwuchs helfen bei der Nahrungsbeschaffung mit. In Weiden im Burgenland müssen sie aber nicht so sehr eingespannt werden, weil es da genug gibt und die Beschaffung einfacher ist. 

Ein wenig sommerliche Exotik dank den Bienenfressern erleben!

Bienenfresser auf einem Ast
Bienenfresser in Weiden am See © Thomas Wagner

Beeindruckend sind sie also auf alle Fälle die Bienenfresser. Sei es nun in Sachen Nahrungsbeschaffung oder einfach nur wegen ihres hübschen Aussehens. Farben, die du in Sachen Vogelwelt in Österreich ja doch nicht so oft zu Gesicht bekommst. Wenn du mit sicherem Abstand zur steilen Lösswand stehst und die emsig fliegenden Bienenfresser beobachtest, wenn dir dabei die Sonne auf die Haut scheint, ja dann könntest du fast vergessen, dass du nicht auf einer Insel im Süden, sondern noch immer in Österreich bist!

Lust bekommen? Dann nichts wie hin zum Neusiedlersee und die kurze Zeitspanne nützen!  Hier noch ein paar Tipps für dich:

Das rät dir freets für deinen Ausflug zu den Bienenfressern!

  • Du musst nicht auf eigene Faust kommen, sondern kannst auch geführte Wanderungen machen. Mehr dazu findest du auf der Website des Neusiedlersee Seewinkels
  • Damit du ordentlich was siehst nimm dir besser einen Gucker / Fernstecher mit!
  • Leider ist es in Sachen Parken ein wenig schwierig. Am besten du stellst dein Auto in Weiden ab und gehst den letzten Rest zu Fuß in Richtung Bienenfresser
  • Übrigens lässt sich ein Besuch perfekt im Hochsommer mit einem Badetag am Neusiedlersee (beispielsweise im Strandbad Podersdorf) oder einem Drink in der benachbarten Mole West verbinden!

Nützliche Hinweise für deinen Besuch

Ungerberg, 7121 Weiden am See
Mai bis Anfang August
Öffnungszeiten: immer
Preis: kostenlos
Dauer: rund 30 Minuten
Zuletzt besucht: 2014
Aktualisiert: 22. Juli 2017
www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at

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