Zu Besuch im Kellerviertel Heiligenbrunn – oder im schönsten Ort des Burgenlands

Kellerviertel Heiligenbrunn, Uhudlerverkostung
Idyllische Gässchen, süß duftender Uhudler, malerische Weinberge und die Langsamkeit des Seins. Im Kellerviertel Heiligenbrunn lässt sich wunderbar flanieren, historische Kellerstöckl erkunden und regionalen Uhudler verkosten. Ein Ausflug für Genießer.

kurz&bündig

Das Kellerviertel Heiligenbrunn in Burgenland besuchen heißt einen der schönsten Flecken des Bundeslandes entdecken. Durch das Viertel mit 141 Kellerstöckel aus 2 Jahrhunderten in typischer burgenländischer Bauweise flanieren. Im Schatten eines Baumes sitzen und Uhudler verkosten. Die Langsamkeit genießen. Sich treiben lassen. Kurz: eine Zeit in idyllischer Atmosphäre verbringen. Ein Ausflug für Genießer, ob in kulinarischer, landschaftlicher oder kultureller Hinsicht.

Das Kellerviertel Heiligenbrunn besichtigen

und schauen wo der Uhudler herkommt

Ruhig ist es im Heiligenbrunner Kellerviertel. Nur sehr vereinzelt schlendern neugierige Besucher durch das denkmalgeschützte Ensemble. Eigentlich ist das immer so, auch am Wochenende. Unwesentlich mehr Besucher kommen dann. Früher war das anders, da ging es mehr zu. So erzählt es uns ein Uhudler Weinbauer beim Kauf einer Flasche des beliebten Revoluzzer Weins.

Kellerviertel Heiligenbrunn, Häuser samt Obstgarten und Weingarten
141 Kellerstöckl haben sich im Kellerviertel Heiligenbrunn erhalten. Verteilt auf verschiedene Gassen. Ein kleines, eigenes Dorf aus vergangener Zeit. Auch dank der Tatsache, dass 108 der Bauten unter Denkmalschutz stehen.

Warum nicht mehr Menschen kommen ist mir ein Rätsel. Froh bin ich allerdings, denn der Zauber der Vergangenheit, der Langsamkeit, des Alten, der legt sich eben auch nur mit wenigen Besuchern über das Viertel. Der wäre schnell verloren, würden sich massenweise Touristen durch die engen Straßen schieben und lauthals ein Achterl Uhudler nach dem anderen unter den schattigen Bäumen trinken.

So hört man nur manchmal ein Lachen, ein Murmeln. Sieht vereinzelt Besucher vorbei schlendern. Fast zu wenig, wie meine Begleiter meinen, da komme man sich ja fast schon komisch vor. Wie ein Eindringling. Wie man’s nimmt, denke ich mir, und genieße die Stille und Langsamkeit. Schaue mir in aller Ruhe die unterschiedlichen Kellerstöckel an und davon gibt es genug. 141 um genau zu sein, rund 50 davon sind mit Stroh bedeckt. Die übrige mit Holzschindeln, manche auch mit Ziegeln.

Typische burgenländische Kellerstöckel aus zwei Jahrhunderten im Kellerviertel Heiligenbrunn

Das kommt daher, dass die Gebäude zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind und verschieden wohlhabende Besitzer hatten, wie ich im Nachhinein lese. Bis ins 18. Jahrhundert reicht das Alter der Kellerstöckel zurück, die neusten stammen aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. So sollen sich hinter den, mit Holz und Stroh verschlossenen, Türen noch heute Weinpressen aus dem 17. Jahrhundert befinden. Zu sehen bekommen wir keine, zu spontan war unser Besuch. Nur gegen Voranmeldung können die teils noch in Betrieb stehenden Kellerstöckl besichtigt werden.

Schaukeller im Kellerviertel Heiligenbrunn
Nur gegen Voranmeldung sind einige der Kellerstöckl für Besucher zugänglich und geben Einblick in das Leben längst vergangener Jahrhunderte.

Macht nichts, denn von außen geben die Häuschen auch einiges her. Alle sollen die typische Bauweise burgenländischer Häuser aufweisen, lese ich weiter auf einer der Schautafeln, die immer wieder im Kellerviertel zu finden sind. Holzblockbauten auf gestampften Lehmboden, mit einem Depotraum, einer Stube und Presshaus. Ein langgezogener Bau, der unter einem Dach zusammengefasst wurde. Die ersten recht einfach gehalten, mit Stroh gedeckt. Später dann aufwändiger, mit halb in die Erde gegrabene Keller, vereinzelten Schmuck an der Fassade, ab und an eine Jahreszahl der Erbauungszeit. Auch die Fenster werden im Laufe der Zeit immer größer und die Dachdeckung geht hin von Stroh zu Ziegel.

Der Zweck blieb über Jahrhunderte gleich. Weingartenbesitzer, die aus der Nachbarschaft stammten konnten dank ihrer Kellerstöckel vor Ort Weinbau betreiben und auch ihre Nächte hier verbringen. So ersparen sie sich den langen Fußmarsch nach Hause. Heute ist das nicht mehr so. So wie in den übrigen Weinviertler Kellergassen ist auch hier im Burgenland der Zweck der Häuser heute verloren gegangen und sie werden kaum für den Weinbau benützt. Die Häuser befinden sich in Privatbesitz, 108 davon stehen übrigens unter Denkmalschutz und wurden im Laufe der Zeit liebevoll restauriert.

 

Wo der Uhudler herkommt. Versteckte Weinberge und gemütliche Verkostungsorte

Den engagierten Privatpersonen (und dem Bundesdenkmalamt) haben wir es also zu verdanken, dass sich so ein idyllischer Ort erhalten hat. Auf dem der Zauber der Vergangenheit liegt. Ein Ort, durch dessen Gassen man gerne schlendert und die Umgebung aufsaugt wie ein Schwamm. So schön ist es hier, so malerisch, dass ich in diesem Moment das Bild für immer behalten möchte. Aber nicht nur die Gebäude selbst machen das Bild perfekt. Auch das „rundumadum“, der Wein, die Gastlichkeit, die ebenfalls zu diesen Ort gehören.

Die rote Uhudlerfahne, die sanft im Wind weht, die große Kastanie, die dem Gastgarten eines Heurigen und dessen Besuchern Schatten spendet. Die kleinen Heurigenbänke vor den Kellerstöckel, auf denen vereinzelt Gäste Platz genommen haben und ein Achterl Wein genießen. Immer wieder erhasche ich einen Blick auf die dahinter liegenden, steil ansteigenden Weinberge. Hier ist er also, der Ursprungsort des berühmten Uhudlers. Des verbotenen Weins, der nun als Obstwein doch noch ausgeschenkt und verkauft werden darf. Der Grund für all das.

Uhudler Fahne im Kellerviertel Heiligenbrunn

 

Weinberge beim Kellerviertel Heiligenbrunn

Ganz am Schluss packt mich dann doch die Neugierde und ich verlasse die vorgegeben Wege. „Kämpfe“ mich eine Wiese hoch, vorbei an einer Schautafel (die mir wiederum sagt, dass ich das jetzt schon darf), bis sich endlich die Weinberge vor mir ausbreiten. Sanfte Hügel nun, nach der steilen Böschung. Davor vereinzelt Kellerstöckel und Obstbäume, die bereits Früchte an den Ästen tragen. Ich bliebe stehen, schaue. Versuche mir das Bild einzuprägen und mache sicherheitshalber noch ein paar Fotos. Genieße den Ausblick. Mich wundert es nicht, dass das Kellerviertel Heiligenbrunn 2014 zum schönsten Ort des Burgenlands gewählt wurde.

 

Das rät dir freets für deinen Ausflug zum Kellerviertel Heiligenbrunn

  • Parkplatz: Ausreichende Parkmöglichkeiten sind nur wenige Meter vom Kellerviertel vorhanden.
  • Verkosten: Auch unter der Woche haben einige Presshäuser geöffnet und bieten ihren Wein zum Verkosten. Nicht nur Uhudler, auch Riesling oder Veltliner.
  • Uhudlerfest: am 29. September 2018
  • Verköstigung: Direkt im Ort, ein wenig unterhalb des Kellerviertels, gibt es ein empfehlenswertes Wirtshaus. Die angeschrieben Buschenschank haben wir nicht gesichtet und sie hat angeblich auch nur auf Anfrage geöffnet.
  • Kinderwagen: die Wege sind problemlos mit Kinderwagen befahrbar.
  • Schaukeller: Auf Anfrage sind ebenfalls zwei Keller zu besichtigen.

Nützliche Hinweise für deinen Besuch

Heiligenbrunn 33, 7522 Heiligenbrunn
Öffnungszeiten: jederzeit; Schaukeller nur gegen Voranmeldung unter der Woche
Preis: kostenlos; Schaukeller: 2 Euro für Erwachsene
Dauer: rund 1 Stunde
Aktualisiert: 27. Juli 2018
http://www.kellerviertel-heiligenbrunn.at

Zuletzt besucht: Juli 2018

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