Auf den Spuren eines großen österreichischen Dichters – Zu Besuch in Roseggers Waldheimat und Waldschule

Roseggers Waldheimat
Ein idyllischer Ort, voller Ruhe und Frieden. Ein Museum, heute. Damals ein Wohnort. Weniger idyllisch, mehr anstrengend wie ich mir vorstelle. Wie es dem damaligen Bewohner Peter Rosegger wohl ergangen ist, hier aufzuwachsen? Wie das war und wie er genau lebte? All das erfährst du bei einem Besuch in Roseggers Waldheimat. Und unten im Tal wartet dann als Draufgabe noch die von ihm gegründete Waldschule auf dich.

kurz&bündig

Im steirischen Alpl, auf über 1000 Metern Seehöhe, steht der sogenannte Kluppeneggerhof. Heimat des berühmten steirischen Dichters Peter Rosegger. Beliebtes Ausflugsziel und Museum, welches dem frühen Leben des Dichters gewidmet ist. Hier kannst du dir direkt vor Ort ein Bild machen, wie denn das Leben für den jungen Peter Rosegger aussah. Wo er wohnte und vor allem wie er wohnte. Nach Besichtigung der Wohnräume und dazugehörigen Nebengebäude des Hofs kannst du noch im Tal einen Blick in die 1902 gegründete Waldschule werfen und dir bei einer Führung mehr erzählen lassen.

Sonnig ist es, ein richtig strahlender Herbsttag. Bei uns zu Hause wäre kaum eine Jacke nötig, hier im Steirischen, auf über 1000 Meter Seehöhe, zeigt der Herbst, dass es trotz Sonne auch anders geht. Zum „Glück“ bringt uns der steile Weg vom Parkplatz bis hinauf zu Peter Roseggers Waldheimat aber ordentlich ins Schwitzen. Kurve um Kurve kämpfen wir uns hoch, den Kinderwagen samt kleiner Madame vor uns herschiebend. Die Kleine ist es nicht die quengelt, eher die Große. Also ich. So im 6. Monat kann ein solcher Anstieg dann doch auch anstrengend werden. Immer wieder nerve ich meine Eltern mit der Frage, wie weit es denn noch sei. „Noch eine Kurve“, die Antwort, die ich höre. Mehr als einmal. Ja, manches ändert sich anscheinend nie.

Roseggers Waldheimat, Weg durch den Weg
Noch eine Kurve, dann sind wir da. Diesmal stimmts. Der Weg geht ziemlich steil bergauf, ist aber schaffbar. Immerhin kommen häufig Schulklassen mit Volksschüler her.

Weit ist es aber wirklich nicht und unmöglich ist der Weg nicht zu bewältigen. Immerhin kommen zahlreiche Volkschulklassen hierher, zwei davon begegnen uns auch bei unserem Anstieg. Übrigens war das auch das letzte Mal, als ich die Waldheimat und Waldschule des Peter Rosserggers besuchte. Nur verschwommen ist meine Erinnerung aus der Volksschulzeit, an ein Holzhaus im Grünen und eine Jause. 1,7 Kilometer geht es bergauf und schon bald erspäht das geschulte Auge erste Anzeichen einer Behausung. Das muss es sein. Weil sonst, ist da ja auch nichts. Völlig alleine liegt der sogenannte Kluppeneggerhof, ehemalige Heimat der Familie Roseggers. Unvorstellbar, wie es sein musste hier im 19. Jahrhundert zu wohnen. Wie es war durch den Tiefschnee zu Fuß ins Tal und erst wieder hinaufzukommen, mit Einkäufen, vielleicht im Dunkeln.

Oben am Kluppeneggerhof

oben daheim bei Peter Rosegger

Peter Roseggers Waldheimat, Teil des Geländes
Das Bild, das sich dir oben angelangt bietet, ist den Aufstieg wert. Ruhig, idyllisch, malerisch und dann noch diese Aussicht. Ein Traum.

Heute neigen wir eher dazu, das Bild zu romantisieren. Weil, es ist hald so idyllisch, wie der Hof da liegt, so hoch oben und ganz alleine. In absoluter Ruhelage, friedlich, die Hektik und Sorgen der heutigen Zeit erreichen ihn nicht. Der geflochtene Holzzaun, die kleinen Fenster in den dunklen abgewetterten Holzwänden der Häuser, die vom jahrhundertelangen Bestehen zeugen. Dahinter der offene Schuppen mit den alten Holzschlitten. Und dann diese Aussicht!

Allein für dieses Bild aus einer anderen Zeit lohnt es sich Roseggers Waldheimat aufzusuchen. Zugegeben, da spricht wieder mein architekturbegeistertes Herz. Denn natürlich, neben dem historischen Stellenwert, den der Hof dank seines berühmten Bewohners einnimmt: Er ist älter. Schon im 15. Jahrhundert soll hier ein Bauernhof gestanden sein. Ein Trambaum in der großen Stube des Kluppeneggerhofs verrät das Alter des derzeitigen Hofs: 1744. 99 Jahre später kam genau hier, in der großen Stube der berühmte steirische Dichter Peter Rosegger zur Welt.

 

Die Heimat Peter Roseggers

Der Grund, warum wir eigentlich hier sind. Warum überhaupt so viele Menschen hier herkommen. Denn dass so ein Leben als Waldbauernbub schon prägend war davon zeugen auch die Werke des steirischen Dichters und es leuchtet ein. Wenn du durch die alten Räume des Hofs gehst und Teile der ursprünglichen Ausstattung entdeckst. Die geduckten Räume, die kleinen Fenster, den beißenden Geruch in der Rauchkuchl, der sich nach all den Jahren gehalten halt. Oder wenn du raus gehst, zu den Ställen.

Peter Rosegger, Waldheimat, Stube

Roseggers Waldheimat
Diverse Ställe für Kühe, Schweine und Schafe schließen an das alte Bauernhaus an.

Dass man da als Kind zu dieser Zeit anpacken musste, versteht sich auch irgendwo und ist auch so überliefert. Beispielsweise, dass der 10jährige damals zu Weihnachten hinunter ins Dorf musste, eine über 1stündige Wanderung, um Schulden einzutreiben und einzukaufen. Wobei sich Peter nur wenig zum Bauern geeignet hätte, wie man liest. Schneider sollte er eigentlich werden und ging deswegen mit 17 Jahren nach St. Kathrein am Hauenstein. Zog dort von Hof zu Hof und begann, Volkslieder und Geschichten, die man sich dort erzählte, aufzuschreiben. Der Beginn etwas Großen: einer Laufbahn als Dichter und Autor.

Ein Abstecher in die Schule: Die Waldschule von Peter Rosegger

Damals, zur Zeit Peter Roseggers, war Schulbildung nicht an der Tagesordnung. Trotz Schulpflicht, aber oben am Alpl herrschten dann doch andere Bedingungen. Peter Rosegger hatte Glück und wurde gemeinsam mit anderen Kindern von einem verstoßenen Lehrer unterrichtet. Ein wenig Bildung also, die ihm offenbar wichtig war. So wichtig, dass er Jahre später 1902, selbst eine Schule gründete: die sogenannte Waldschule.

Teil der Waldschule, Peter Rosegger
Unten im Tal liegt die Waldschule, die Peter Rosegger gegründet hat. Lange in Betrieb ist sie wegen mangelnder Schülerzahl nun Museum. Ein Klassenzimmer und das Zimmer, das Peter Rosegger gewidmet war, ist bis heute in Originalzustand erhalten.

Unten im Tal, im Ort, hat sich diese erhalten und steht neugierigen Besuchern offen. Im Obergeschoss ist noch eine der originalen Schulklassen erhalten (mit obligatorisch, in kurrenter Schrift, beschriebener Kreidetafel, die immer weniger Menschen entziffern können). Daneben ein Zimmer, welches man den Dichter eingerichtet hat. Als Rückzugsort, als Arbeitszimmer.  Auch hier haftet das ganz eigene Flair des Besonderen. Denn auch hier wurde nichts verändert, alles ist, wie es Peter Rosegger zurück gelassen hat. Die Schreibmaschine am Schreibtisch, das kleine Sofa im Eck. Mit ein wenig Vorstellungskraft lässt sich hier also sehr gut nachvollziehen, wie der berühmteste Mann der Gegend hier lebte und arbeitete.

 

Das rät dir freets für deinen Besuch in Roseggers Waldheimat & Waldschule

  • Hunde: dürfen leider nicht ins Museum, du kannst sie aber bei der Waldheimat ohne Probleme anleinen und draußen lassen. Haben wir auch so gemacht und hat tadellos funktioniert.
  • Die Waldheimat ist ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen. In den Sommerferien ist es hier natürlich ruhiger.
  • Einkehrmöglichkeit am Areal der Waldheimat. Kleine Snacks und Erfrischungen, Kaffee und Kuchen.
  • Kinderwagen: der Weg hinauf ist mit Kinderwagen befahrbar, die Waldheimat ist abgesehen von ein paar Schwellen barrierefrei, die Waldschule nicht.
  • Familienticket: für 2 Erwachsene und Kinder (bis 14 Jahre): 9,00
  • Parken: In der Nähe der Waldschule befindet sich ein Parkplatz, der gut beschildert ist.
  • Christmettenweg: Peter Rosegger und seine Familie gingen mehrmals im Jahr in die Kirche, natürlich auch zu Weihnachten. Der Weg, den sie zurücklegten ist heute als sogenannten Christmettenweg bekannt. Am Weihnachtsabend gibt’s hier geführte Wanderungen vom Hof zur Kirche.
Pinterest Pinvorlage Roseggers Waldheimat
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Nützliche Hinweise für deinen Besuch

Alpl 42, 8671 Alpl
Öffnungszeiten: 02. April–31. Oktober: Di–So und Feiertag: 10:00–17:00
Preis: Erwachsene je 4,50; Senioren und Menschen mit Behinderung: 4,00; Schüler, Lehrlinge, Studenten (bis 26): 2,00; Kinder unter 6: Eintritt frei
Dauer: ab 2 Stunden für beide Standorte
Aktualisiert: 30. Oktober 2018
https://www.museum-joanneum.at/peter-rosegger

Zuletzt besucht: Oktober 2018

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