Die Kaisergruft oder Kapuzinergruft in Wien

Kaisergruft ©Wien Tourismus, Loius Lammerhuber
Kaisergruft ©Wien Tourismus, Loius Lammerhuber

kurz&bündig

Die Kaisergruft, oder auch Kapuzinergruft genannt, in Wien ist die Begräbnisstätte der Mitglieder des Hauses Habsburg und Habsburg–Lothringen. Ursprünglich von Kaiserin Anna 1617 testamentarisch gestiftet, wurde die Gruft ab 1622 innerhalb elf Jahren errichtet und in den folgenden Jahrhunderten acht Mal erweitert. Heute ruhen hier 12 Kaiser, 19 Kaiserinnen und weitere Mitglieder des Hauses Habsburg.

Bei der Kapuzinergruft in Wien handelt es sich, und das wird auch wiederholt in der Kaisergruft selbst geklärt, um nichts anderes als einen Friedhof. Das sagt ja auch schon der Name, bedeutet Gruft ja nichts anderes als Grabstätte. Per Definition der Städtischen Friedhofsverwaltung sind Grüfte „ausgemauerte Gräber und eignen sich zur Beisetzung von vier, sechs, neun oder mehr Erwachsenen.“ Gut ein wenig mehr als neun sind es dann schon in der Kapuzinergruft. 138 Personen, vorwiegend Habsburger, und vier Herzen wurden hier bestattet.

3 Dinge, für die du dich als Besucher der Kapuzinergruft interessieren solltest:

1 + 2 ) Das Haus Habsburg und die österreichische Geschichte ab dem 17. Jhdt.

Gleich am Anfang zwei Gründe. Weil das für mich Hand in Hand geht. Interessierst du dich für österreichische Geschichte ab dem 17. Jhdt. wirst du zwangsläufig über verschiedene Mitglieder der Habsburger Dynastie stolpern. Weil diese Familie eben eine herausragende Rolle bis ins 20. Jahrhundert für Österreich, ja für Europa, spielte. Niemand, der sich für den ersten Weltkrieg interessiert wird um Kaiser Franz Joseph I. oder Erzherzog Franz Ferdinand kommen. Niemand der sich für den Spanischen Erbfolgekrieg interessiert, um Kaiser Karl VI.

3) Kunst – vor allem barocke Skulptur

Wären wir schon beim 3. Punkt: die Kunst. In der Kapuzinergruft ist eben nicht irgendwer, sondern die absolute Elite des Landes, begraben. Klar irgendwo, dass diese Elite nicht in unscheinbaren Holzsärgen in einem dunklen „Kammerl“ bestattet wurde. Vor allem nicht im 17. und 18. Jahrhundert. Klar also, dass man hier hinsichtlich barocker Grabskulptur so einiges zu sehen bekommt und namhafte Künstler involviert waren: Balthasar Ferdinand Moll, Johann Lukas Hildebrandt oder Nicolas Parcassi, um einige zu nennen.

Warum das für einen Besuch der Kaisergruft wichtig ist

Das Interesse für die Habsburger Monarchie und für die österreichische Geschichte

Begräbnis der Habsburger, Friedhof, das wurde schon klar. Daher ist natürlich einiges an Särgen zu sehen. Je Sarg gibt es eine kleine Tafel, die den Verstorbenen ausweist und einige Taten und Leistungen beschreibt. Anfangs noch ein Stammbaum zur Orientierung, den man sich aber beim besten Willen nicht den ganzen Aufenthalt merken kann. Ab und zu ausführlichere Beschreibungen bei wirklich wichtigen Personen wie Maria Theresia.

Kaisergruft ©Wien Tourismus, Loius Lammerhuber
Kaisergruft ©Wien Tourismus, Loius Lammerhuber

Du kannst dir also sicher bereits vorstellen worauf ich hinaus möchte. Wenn dir die Bestatteten so gar nichts sagen, wenn du niemanden „kennst“ und von Maria Theresia nur am Rande gehört hast, wird es rasch langweilig werden. Weil Sarg ist Sarg und jedes Schild genau zu lesen in der dann manchmal doch dunklen Gruft macht auch nicht so viel Spaß. Das sag‘ ich jetzt ganz emotionslos und nüchtern. Erkennst du aber jemanden wieder, erinnerst dich an die Geschichte, die du über diese Person gehört oder gelesen hast, wird das alles ein wenig persönlicher.

Ein Besuch in der Kaisergruft Wien: Maria Theresia, Kaiser Franz Joseph & Co die letzte Ehre erweisen! Klick um zu Tweeten

Das merkte ich selbst schnell. Anstelle des gesichts- und namenlosen Karls VI. sah ich den österreichischen Herrscher vor mir, der den Verlust Spaniens nie überwand und in Klosterneuburg diese neue prächtige Anlage errichtete. Oder im schlichten Sarg des „sparsamen“ Kaiser Josephs II., sah ich einen Kaiser, der bis in den Tod seinen Prinzipien treu geblieben war. Wie krass diese im Gegensatz zu denen seiner Mutter stand, kann man übrigens perfekt an den Grabdenkmälern ablesen.

Du siehst, ein wenig solltest du dich also zu Recht finden in der österreichischen Geschichte. Umso mehr dir die Habsburger vertraut sind, umso mehr es dir bedeutet, vor einem Grab eines gewissen Habsburgers zu stehen, umso mehr zahlt sich der Besuch aus. Dass das für einige ein absolutes Highlight darstellen kann, sieht man an den mitgebrachten Rosen bei einigen Gräben, vor allem bei jenen Kaiser Franz Josephs und Sisis. Irgendwie gedenkt man den Toten dann auch besser und das war ja auch Sinn und Zweck einer Bestattung: das ewige Gedächtnis.

Das Interesse für Kunst

Kaisergruft Detail ©Wien Tourismus, Willfried Gredler-Oxenbauer
Kaisergruft Detail ©Wien Tourismus, Willfried Gredler-Oxenbauer

Dass all diese namhaften Persönlichkeiten hier bestattet sind, macht die Kaiser- oder Kapuzinergruft in Wien zu einem ganz besonderen Friedhof. Denn hier handelt es sich um das Begräbnis der Habsburger, die sich selbstverständlich – je nach Mitglied – in einem prunkvollen Sarg beisetzen ließen. Barockskulptur par excellence wird man hier also auch finden. Mit dem absoluten Highlight: dem Sarkophag Maria Theresias und Stephan von Lothringen. Der architektonisch dann durch Nicolas Parcassi perfekt inszeniert wurde. Bei dem man dann auch als nicht Kunst- / oder Barockliebhaber nicht umhin kann, die künstlerische Leistung anzuerkennen.

Ein paar Hintergründe zur Kapuzinergruft

Aufmerksamen Besuchern wird nicht entgehen, dass alle hier Bestatteten im 17. Jhdt. oder später verstarben. Grund dafür ist, dass die Kaisergruft erst im 17. Jhdt. entstand. Mittels einer testamentarischen Stiftung gründete Kaiserin Anna 1617 das Kapuzinerkloster samt Gruft. Bereits 1618 verstarb sie, 1619 ihr Mann. Den Bau übernahm dann dessen Nachfolger Ferdinand II. ab 1622, der sich wegen dem 30jährigen Krieges elf Jahre hinzog. Nach Fertigstellung 1633 wurden die Gräber der Gründer in die Gruft transferiert.

Bis heute wurde die Kapuzinergruft acht Mal erweitert. Den Startschuss gab Kaiser Ferdinand III. (reg. 1637–1657) mit der ersten Erweiterung und begründete damit die Kaisergruft als dynastische Grablege der Familie Habsburg. Besonders herausragend sind hier die Karlsgruft (vor 1720 durch Kaiser Karl IV.) von Johann Lucas von Hildebrandt geplant und die Maria–Theresien–Gruft (1758) geplant von Jean Nicolas Jadot und Nikolaus Parcassi.

Das rät dir freets für deinen Besuch in der Kaisergruft

  • Ein wenig Vorabinformation ist nicht schlecht. Ein guter Anhaltspunkt fürs erste ist es, einfach den Wikipedia Eintrag zu lesen. Hier findest du auch eine Auflistung aller Begrabenen.
  • Ebenfalls werden auf telefonische Voranmeldungen Führungen angeboten (Dauer: 1 Stunde, Mi-Sa: 14:00).
  • Familienticket: 16,50

Nützliche Hinweise für deinen Ausflug

Tegetthoffstraße 2, 1010 Wien
Öffnungszeiten täglich 10:00–18:00, Donnerstag ab 09:00
01.11., 24.12 und 01.01 nur bis 16.00
Führungen: Mi - Sa: 14:00; von Mai - Oktober auch am Sonntag
Preis: Erwachsene 7,50; Senioren (ab 60), Studenten (bis 27), Menschen mit Behinderung: 6,50; Kinder bis 18: 4,50
Aufpreis Führung: 3,00
Dauer der Führung: 1 Stunde
Aktualisiert: 24. Februar 2018
http://www.kaisergruft.at

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