Ausflug ins Museumsdorf Niedersulz: Zeitreise ins Weinviertel um 1900

Haus im Museumsdorf Niedersulz
Im Museumsdorf Niedersulz schlenderst du durch das Weinviertel von 1900. Vorbei an alten Häusern, prächtigen Bauerngärten, historischen Werkstätten und längst vergessenen Handwerksbetrieben. Das Freilichtmuseum mit einer Fläche von 22 Hektar besteht aus zahlreichen historischen Häusern, die in Form eines alten Weinviertler Dorfes wieder aufgebaut wurden. Besucher entdecken bei einem Dorfspaziergang nicht nur die Architektur und deren Ausstattung, sondern erfreuen sich an den üppig blühenden Bauerngärten, alten Obstsorten und gehen auf Tuchfühlung mit den Tieren am lebenden Bauernhof. Spezielle Programme geben darüber hinaus noch mehr Einblick in das Leben vor über 100 Jahren. Ein großartiger Ausflug für Naturliebhaber, Geschichtsinteressierte und Familien.

Seit ich vor mehr als sieben Jahren mit meinen Eltern das Museumsdorf Niedersulz besucht habe, wollte ich wiederkommen. Noch einmal die historischen Gebäude und ihre Einrichtung erkunden und durch das friedliche, beschauliche Dorf zu spazieren. Vielleicht einmal im Herbst, statt im Frühling, wenn statt der Obstbaumblüte das bunte Blätterlaub dominiert. Oder bei einer der zahlreichen Veranstaltungen, die nochmal mehr Einblick in das frühere Leben im Weinviertler Dorf geben. Oder dann mit den Kindern, wenn sie größer sind. 2021 war es soweit. Nach meinem ersten Besuch vor über 7 Jahren verschlug es mich mit meinen Mädels und Mann an einem herrlichen Spätsommertag ins Museumsdorf. Dabei war natürlich nicht nur die Natur, sondern auch der Fokus anders als beim ersten Besuch. Deswegen möchte ich den Blogartikel um meine neuen Erfahrungen mit dem Museumdorf Niedersulz als Ausflugsziel für Familien ergänzen.

Den Zauber des Vergangenen erleben

Museumsdorf Niedersulz, Häuser
Im Museumsdorf Niedersulz kannst du alte Weinviertler Häuser mit Gärten und Ausstattung bewundern.

Was mich damals wie heute am Museumsdorf Niedersulz fasziniert hat? Die Ruhe, die Beschaulichkeit, das Traditionelle. Fast kommt es dir vor, als würdest du durch eine Ausgabe des Servus’ Magazins spazieren. Hier ist alles alt, traditionell und unglaublich harmonisch. Die hübschen Weinviertler Häuser, die seltenen Obst- und Gemüsesorten, üppigen Bauerngärten und die kleinen einfache Gassen. Echt ist das nicht wirklich. Auch wenn es die Häuser und dessen Ausstattung original sind und auch originalgetreu hier wieder aufgebaut wurden. Doch die Langsamkeit, die Ruhe und Idylle ist es nicht. Die Häuser sind unbewohnt, die Werkstätten stehen leer, in der Schule herrscht kein Unterricht. Nur ab und zu werden alte Traditionen oder Bräuche im Rahmen von Veranstaltungen wieder belebt.

Ab 1979 existiert diese spannende und eigene Welt bereits. Als ein alter Weinviertler Streckhof am Areal des heutigen Museumsdorfs Niedersulz übertragen wurde, wurde der Grundstein fürs Museum gelegt. Jahr für Jahr kamen weitere Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert hinzu. Das Dorf wuchs und schon bald war eine erste Dorfgasse am Sulzbach entstanden. Presshäuser, Schüttkästen, Handwerkshäuser, eine Kellergasse, ein Dorfplatz und eine Kapelle entstanden in Niedersulz, oder wurden hier vielmehr wieder aufgebaut.

Das Museumdorf Niedersulz besichtigen

Straße durchs Museumdorf Niedersulz
Gemütlich spazieren wir durch die Gassen im Museumsdorf Niedersulz, vorbei an alten Häusern, bunten Blumen und des Sulzbaches.

Auch bei meinem erneuten Besuch im September sind wieder einige neue Häuser dazu gekommen. Das Dorf ist also noch immer im Wachsen begriffen. Nachdem wir das große Eingangsgebäude samt Shop und Kassa passiert haben (auch das kam übrigens in den letzten Jahre neu dazu) stehen wir am Anfang der einfachen Straße. Wir blicken auf das vor uns liegende Dorf, den markanten Kirchturm und die niedrigeren Häuser rund herum.

Die Gebäude und deren Bewohner

22 Hektar, mehr als 80 verschiedene Häuser und deren Einrichtung warten nur darauf, genauer entdeckt zu werden. Dabei sorgen die unterschiedlichen architektonischen Formen und Funktionen sowie deren unterschiedlichen Bewohner (verschiedener sozialer Stellung) für einen umfassenden Überblick. Angefangen vom Bürgermeisterhaus mit wunderschönem Arkadengang im Innenhof, über einer Schule, einem umgebauten Presshaus, einer Wassermühle bis hin zu einem lebenden Bauernhof, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Während wir bei unserem ersten Besuch vor allem die Gebäude und deren Ausstattung besichtigen, werfen wir beim zweiten Besuch nur flüchtige Blicke in die verschiedenen Häuser. Nicht, weil es die Kinder nicht interessiert hätte – sie sind mindestens genauso neugierig wie ich – doch irgendwie haben wir viel zu wenig Zeit für unseren Besuch eingeplant. Mit meinen Eltern erkunde ich die Häuser eingehend, aber dennoch in einem zügigen Tempo. Meine Kinder brauchen länger, wollen aktiv ausprobieren, Dinge erklärt bekommen und sind von einigen Orten kaum mehr wegzubringen. Voller Freude und Begeisterung besichtigen sie das alte Schulgebäude („das ist wie bei der Heidi“), versuchen den alten Brunnen beim Bürgermeisterhaus in Gang zu setzen und erkunden das hölzerne Wasserrad der Mühle (auch hier gäbe es Vorführungen, die wir aber ebenfalls verpassen).

Kinder schauen durch ein Fenster, Museumsdorf Niedersuzl
Im Museumsdorf Niedersulz können Häuser und deren Einrichtung aus dem 18. und 19. Jhdt. besichtigt werden.

Der lebende Bauernhof als Highlight für Familien

Besonders angetan sind sie natürlich auch vom lebenden Bauernhof (ein Zwerchhof aus Prottes, 18. Jhdt.), wo wir nicht nur die beiden Esel begrüßen und streicheln, sondern Ziegen und Schweine beobachten, Hasen entdecken und die Kinder neugierig den Gänsen hinterherlaufen.

Gänse und Kinder im lebenden Bauernhof, Museumsdorf Niedersulz
Im lebenden Bauernhof können Tiere hautnah beobachtet werden.

lebender Bauernhof, Museumsdorf Niedersulz

Esel im Museumsdorf Niedersulz
Besonderes Highlight waren die beiden Esel, die wir mehrfach besuchten.

 

Die Bauerngärten und Vorgärten im Museumsdorf Niedersulz

Auch die blühenden Bauerngärten im Museumsdorf Niedersulz haben es uns angetan. Waren die Gärten bei meinem ersten Besuch erst im Erblühen (immerhin war erst April), standen sie nun Anfang September in voller Blüte. Die bunten Blumen, die summenden Bienen und Schmetterlinge ziehen immer wieder alle Blicke auf sich. Die Septembersonne taucht die Pflanzen in bestes Licht und die historischen Häuser im Hintergrund und einfachen Holzzäune im Vordergrund verleihen den Gärten nochmal einen ganz besonderen Charme.

Die Vorgärten und Bauerngärten wurden passend zum jeweiligen Haus gestaltet und beherbergen zahlreiche, seltene Pflanzenarten (darunter alte Gemüse- und Obstsorten). Ein Garten, der praktisch zu dieser Zeit in jedem Weinviertler Hof angelegt wurde. Die Blumen wuchsen nicht nur als Blickfang und zur Pracht des Hauses, sondern wurden auch für Hochzeiten, Begräbnisse oder andere kirchliche Feste verwenden. Die Weinviertler waren stolz auf ihre Gärten und – so liest man auf der Website des Museumsdorfs – tauschen immer wieder über den Gartenzaun Blumensamen aus.

 

Nicht verwunderlich, dass die eingeplanten drei Stunden viel zu kurz sind. So kurz, dass wir nicht einmal Zeit finden ins Dorfgasthaus einzukehren. Oder wie versprochen rechtzeitig noch einmal in die Schule schauen. Wir sind einfach viel zu beschäftigt mit unseren Entdeckungen im Weinviertler Ausflugsziel; und mit dem Genuss dieser wunderschönen Szenerie. Der Dahlien, Ringelblumen, der kleinen Fenster in den dicken Mauern, der Weingärten und einfach allem Drumherum. Und so ist es auch kein Wunder, dass auch nach dem zweiten Besuch fest steht: Wir kommen wieder. Dieses Mal einen ganzen Tag. Sieben Jahre werden wohl aber nicht vergehen. Hoffentlich.

PIN Niedersulz Museumsdorf
Interessiert? Dann merk’ dir die Idee für später!

Tipps von freets für deinen Besuch im Museumsdorf Niedersulz

  • Parkplätze sind vor Ort ausreichend vorhanden. Ebenfalls eine Busstation, wer öffentlich anreisen möchte.
  • Deinen Hund kannst du nach Niedersulz mitnehmen, allerdings ist er an der Leine zu führen. Beim lebenden Bauernhof sind Hunde wegen der freilaufenden Tiere nicht gestattet.
  • Im Museumsdorf gibt’s auch ein Gasthaus zur Einkehr.
  • Kinderwägen sind am Areal möglich, in den Häusern nicht immer. Ebenfalls gibt es einen Spielplatz im Dorf sowie beim Eingang/Ausgang des Geländes.
  • Das Museum “in Action” erleben! Wirf’ einen Blick auf die unterschiedlichen Veranstaltungen auf der Website des Museumsdorf Niedersulz.
  • Am Wochenende gibt es Führungen. Die Überblicksführungen (SA 14:00; So-und Feiertag auch 11:00) dauern 60min (Aufpreis 4,00)
  • Es gibt auch die Möglichkeit Kindergeburtstage (zu unterschiedlichen Themen) im Museumsdorf Niedersulz zu feiern.

Nützliche Hinweise für deinen Ausflug

Museumsdorf Niedersulz, 2224 Niedersulz 250
Öffnungszeiten: 03. Mai –1. November, täglich 09:30–18:00 (letzter Einlass: 17:00); ab 15. Oktober bis 17:00
Preis: Erwachsene: 12,00; Senioren: 10,00; Schüler, Lehrlinge, Grundwehr- und Zivildiener: 7,50; Kinder bis 18 Jahre: freier Eintritt
Dauer: ab 2 Stunden
Aktualisiert: September 2021
www.museumsdorf.at/

Zuletzt besucht: September 2021

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