Die Raimundspiele in Gutenstein

Zelt Raimundspiele Gutenstein ©Raimundspiele Gutenstein, Kern-Jochi
Seit 1993 finden jährlich in Gutenstein die Raimundspiele statt. Hier kannst du in ungewöhnlicher Atmosphäre großartiges Theater genießen. ©Kern-Jochi; Raimundspiele Gutenstein

kurz&bündig

Ferdinand Raimund liebte Gutenstein und Gutenstein liebt Ferdinand Raimund. Zu Ehren des großen Schauspielers und Dramatikers finden seit 1993 in Gutenstein in den Wiener Alpen die Raimundspiele statt. Jährlich wird ein anderes der großartigen Stücke des Künstlers aufgeführt, dieses Jahr – 2017 – der Alpenkönig und der Menschenfeind. Warum sich ein Besuch trotz der eher unscheinbaren Location lohnt?

 

2017: Der Alpenkönig residiert in Gutenstein

„Eigentlich bin ich’s ja gewöhnt, dass das Stück in den Alpen spielt.“ so ein Besucher der Vorstellung „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ bei den Raimundspielen in Gutenstein. Ich blicke mich um. Es ist zwar schon etwas dämmrig, aber dass Gutenstein inmitten der Gutensteiner Alpen liegt, weiß ich auch ohne großartig viel zu sehen. Ausläufer der Kalkalpen mit doch einigen 1800er. Der Alpenkönig ist also in Gutenstein gut aufgehoben, residiert in gewohnter Umgebung. Aber natürlich. Der Gast wird wohl den inszenierten Ort der Theaterbühne gemeint haben. Den Schauplatz der Geschichte, die vor über 100 Jahren von Ferdinand Raimund verfasst wurde und diesen Sommer (2017) im Rahmen der Raimundspiele in Gutenstein aufgeführt wird.

Von 12. Juli bis 06. August öffnet sich der Vorhang – oder in diesem Fall die Zeltwand – für den Alpenkönig, Hr. Rappelkopf, das Malchen, August und den übrigen Protagonisten dieses Stücks von Ferdinand Raimund. Ja, richtig gelesen, das Zelt. Denn mangels eines eigenen Theatergebäudes hat man sich in Gutenstein einfach entschlossen, ein Zelt hinzustellen, eine Bühne und Sitzplätze darin zu platzieren, es außen hübsch zu bemalen und mit einem Gastro-Partyzelt zu verbinden. Situiert im wirklich weitläufigen und stimmungsvollen Bleichgarten vor dem Schloss Hoyos.

Dass ein Theater in einem Zelt funktioniert, dass es der kulturellen Stimmung und dem herumschwebenden Intellekt der Dialoge nichts anhaben kann, das beweist Gutenstein ohnehin schon seit Jahren. Und obwohl sich der Alpenkönig wohl auch ohne Kulissen in Gutenstein heimisch fühlen würde, das Zelt also gleich weggelassen werden könnte, hat es doch den Vorteil, dass die Besucher im Trockenen sitzen. Wovon ich letzten Donnerstag doch auch stark profitierte.

Warum der Alpenkönig gut nach Gutenstein passt; und alle anderen Protagonisten Ferdinand Raimunds eigentlich auch

Alpenkönig, ©Joachim Kern, www.raimundspiele.at
©Joachim Kern, www.raimundspiele.at

Die Alpenthematik wäre ja jetzt schon hinreichend geklärt. Aber die Raimundspiele finden jährlich statt und der Alpenkönig zieht weiter. Wird von anderen Protagonisten abgelöst. Warum aber ausgerechnet in Gutenstein? Was hatte Raimund mit diesem Ort zu schaffen? Haben wir es hier, wie in der Salzburger Gegend, mit der touristischen Ausschlachtung eines kurzen Kaffeebesuchs zu tun?

Nein, haben wir nicht. Denn, und Theaterfans werden es wissen, Raimund war nicht nur ein paar Mal kurz in Gutenstein. Er war oft und gerne hier. Hier soll sich der tragische Hundebiss ereignet haben, der Raimund dann zum Selbstmord trieb (aus Angst vor Tollwut) und schlussendlich hat er hier auch seine letzte Ruhe gefunden. Nicht verwunderlich also und auch irgendwie schön, dass man hier mit seiner und vor allem seiner Kunst jährlich gedenkt.

Von der Alpenkönigin, Wutausbrüchen und einem bunten Zelt

Mein Besuch bei den Raimundspielen

Dank der Liebe Raimunds zu Gutenstein und umgekehrt, kannst du seit 1993 jährlich die Raimundspiele besuchen. Die wiederum in einem Theaterzelt vor dem Schloss Hoyos stattfinden und jährlich ein anderes Stück des Dramatikers ansehen.

Das Drumherum ums Zelt

Zelt Raimundspiele Gutenstein, ©Karl Denk
Neben dem Stück Raimunds kannst du auch ein wenig einen seiner Lieblingsorte, Gutenstein, genießen. ©Karl Denk, Raimundspiele Gutenstein

Ein wenig Weg musst du da schon auf dich nehmen. Weil Hr. Raimund offenbar etwas für abgelegene, stille Orte übrig hatte. Zumindest kommt einem die Fahrt von Wiener Neustadt schon sehr lange vor, immer weiter hinein ins Tal. Bis du dann scharf links abbiegst und quasi direkt vor dem Theaterzelt oder Theaterareal stehst. Dein Auto stehen lässt, die Piesting überquerst und dir nach der langen Fahrt ein wenig im Schlosspark die Füße vertrittst. Die Natur und Ruhe genießt und einmal die Gegend erkundest.

Was offenbar beliebter ist: Das Gastronomiezelt besuchen, um den Hunger vor der Vorstellung noch zu stillen. Oder einfach ein Glas Wein zu kaufen und im Grünen zu stehen. Den Blick über die übrigen Besucher schweifen zu lassen oder ein wenig im Programmheft zu stöbern. Bis es dann los geht und das Hauptzelt geöffnet wird, das Tor zu einer neuen, imaginären Welt in den Alpen.

Beileibe keine Theaterkritik – wie ich das Stück gefunden habe

Der Menschenfeind mit Waffe, ©Joachim Kern, www.raimundspiele.at
Treibt ihn sein Menschenhass noch in den Selbstmord? ©Joachim Kern, www.raimundspiele.at

Weise Worte in Sachen Theaterkritik kann ich dir leider nicht anbieten. Da will ich deine Erwartungen gleich vorab dämpfen. Ja, ich geh’ gern ins Theater und ich hab’ schon einige Vorstellungen gesehen. Aber bei weitem nicht so viele, wie ich gerne hätte; und es waren auch so unterschiedliche Arten von Theater (mit Puppen, wandernd oder in prunkvollem Rahmen), dass man sie gar nicht vergleichen kann. Und da fehlt mir auch der Durchblick. Ich kann nur sagen: Gefällt mir, oder nicht.

Mein Resümee bei den Raimundspielen (*trommelwirbel*): Es hat mir gefallen. Vom ersten Moment an hat mich die Geschichte wieder gefangen genommen. Hat mich zum Lachen und Schmunzeln gebracht. Was nicht zuletzt dem großartigen Auftritt Andrea Eckerts gleich zu Beginn geschuldet war. Obwohl ich mir es anfangs nicht vorstellen konnte, wie das Stück mit einer Alpenkönigin aussehen würde, war es nach einigen Minuten wie selbstverständlich. Ein wenig abgedreht, aber nicht zu viel, gerade richtig für einen großen Auftritt einer Königs, pardon, einer Königin. (Platztechnisch bedingt) erlebst du alles ganz nah. Die rasenden Ausbrüche des Herrn von Rappelkopfs und die ein wenig selbstironische Erkenntnis, nachdem er als „der Bruder“ zurück kommt. Die unbändige Liebe von Malchen und August und die beeindruckende Stimme Tanja Raunigs, die noch lange in deinem Kopf nachklingt.

Plakat raimundspiele ©Edgar Tezak, www.raimundspiele.at
Der Alpenkönig und der Menschenfeind ©Edgar Tezak, www.raimundspiele.at

Das rät dir freets für deinen Besuch bei den Raimundspielen

  • Bustransfer: für die Freitagsvorstellungen gibt es seit 2017 auch einen Shuttlebus von Wiener Neustadt nach Gutenstein mit mehreren Zustiegsmöglichkeiten. Mehr Informationen auf der Website der Raimundspiele. Anmeldung bei Kartenkauf nötig.
  • Parkplätze: vor Ort direkt neben dem Zelt ausreichend vorhanden
  • Gastronomie: neben dem Theaterzelt gibt es auch ein Gastronomiezelt. Von Sacherwürstel, Mehlspeise, vegetarische Speisen, Kaffee oder andere Getränke, gibt’s hier alles zu haben. Preislich absolut in Ordnung (Wein 1,50; Sacherwürstel: 4,60)
  • Lust auf Raimund bekommen? In Gutenstein kannst du auch sein Grab oder das Ferdinand Raimund Museum besuchen. Oder du begibst dich auf seine Spuren auf dem Raimundwanderweg (vom Mariahilfberg zum Raimundsitz), den der Künstler selbst oft gegangen sein soll.

Nützliche Hinweise für deinen Besuch:

Markt 86, 2770 Gutenstein
Vorführungen 12.07–06.08, je nach Vorstellung 10:30, 16:00, 17:00 oder 19:30
Preis: ab 15,00 – 52,00 je nach Sitzplatzkategorie
Dauer: 2,5 Stunden inkl. Pause
Aktualisiert: 28. Juli 2017
Karten unter ticket@raimungspiele.at oder 02634/72700
https://www.raimundspiele.at

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