Schloss Eckartsau: Ausflug und Spaziergang im Barockschloss der Habsburger

Das Schloss Eckartsau ist nicht nur ein herausragender Barockbau, sondern ein geschichtsträchtiger Ort. Hier verbrachte die kaiserliche Familie rund um Karl I. von Habsburg ihre letzten Tage in Österreich.
Das Schloss Eckartsau wurde Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag Graf Kinksy von Joseph Emanuel Fischer von Erlach zu seiner heutigen Gestalt umgebaut. Berühmtheit erlange das Barockschloss auf Grund der geschichtlichen Geschehnisse hinter dessen Mauern: Es war letzte Zuflucht Kaiser Karls I. und seiner Familie; und der Ort, an dem der Kaiser seine Regierungsgeschäfte niederlegte. Heute kann der Bau im Rahmen einer Führung besichtigt werden, der große, unberührte Schlosspark ist frei zugänglich.
Schon drei Mal war ich bislang im Schloss Eckartsau. Habe das hübsche Barockschloss besichtigt, bin durch die prunkvollen Räume geschlendert, habe die Deckenfresken bestaunt und einen Kaffee im Innenhof getrunken. Während ich im Rahmen einer Kunstgeschichte-Exkursion vor allem den Bau und dessen Ausstattung im Fokus‘ hatte, war es später der schöne, unberührte Schlosspark (das Schloss war auf Grund einer Hochzeit nicht zugänglich). Erst bei meinem dritten Besuch erfuhr‘ ich auch mehr zur Nutzung, zur Geschichte des Schlosses und zu dessen berühmten Bewohnern auf Zeit. Mein Bericht wird daher ein Mix aus all diesen Elementen sein; und im Endeffekt wird das auch jeder ausführliche Besuch deinerseits.

Das Schloss Eckartsau, dessen Bau und Ausstattung

Schon beim Ankommen weiß das Schloss Eckartsau einen großartigen Auftritt hinzulegen. Langsam schlendern wir durch den Westeingang des Parkplatzes und die Schlossallee. Bei jedem Schritt erschließt sich uns der Bau ein Stück mehr, mit jedem Meter tritt die hervor schwingende Westfassade mehr in Erscheinung. Die hohen Fenster, die (für Barockzeiten) schlicht gestaltete Fassade, die Skulpturen an dessen Giebel. Darunter auch Diana, die Göttin der Jagd, die dem Besucher schon unmissverständlich macht, was hier vor einem liegt: ein Jagdschloss, inmitten eines großen, wunderbaren Parks und eines riesigen Jagdgebiets.

Ansicht Schloss Eckartsau von Westen
Schritt für Schritt erschließt sich die Westfassade des Schlosses.
Westfassade Schloss Eckartsau

Vom Wasserschloss zum Barockbau der Habsburger

Das war nicht immer so. Ursprünglich befand sich anstelle des schönen Barockschlosses ein (wohl nicht minder schönes) mittelalterliches Jagdschloss. Eine klassische Vierflügelanlage, umgeben von einen Wassergraben, das im Eingangsbereich noch auf einen Kupferstich von Matthäus Vischer zu bewundern ist. Bis 1720 der böhmische Graf Kinsky das Anwesen erwarb und in Folge radikal verändert.

Kupferstich des Schlosses Eckartsau nach Matthäus Vischer

Zu diesem Umbau und Ausstattung beauftrage er namhafte Künstler, allen voran Joseph Emanuel Fischer von Erlach (der Sohn des noch berühmteren Johann Bernhard von Erlach) für den Bau an sich (besonders die Westfassade und das Stiegenhaus sind hier zu erwähnen), sowie Lorenzo Mattielle und Daniel Gran für die Ausstattung. Alles – soviel nur am Rande – die besten und begabtesten Künstler aus dieser Zeit. All dies bekommen wir zu sehen. Staunend lasse ich den Blick über die großartigen Fresken schweifen, gehe ehrfürchtig auf dem Boden im Festsaal, der noch aus genau jener Zeit stammt und bewundere all die vielen Details.

Schloss Eckartsau & die Habsburger – mehr über die Nutzung der Räumlichkeiten

Ganz nebenbei erfahre ich mehr über dessen Bewohner. Wer tag täglich in den Genuss all des Prunkes gekommen ist, wie welcher Raum speziell genutzt wurde. Ich höre über den Grafen Kinsky, aber vor allem über dessen „Nachfolger“, Erzherzog Franz Ferdinand (ab 1760 kam es in den Besitz der Habsburger). Ein Name und eine Lebensgeschichte, die mir nach meinem Besuch im Schloss Artstetten mehr als vertraut ist. Auch hier in Eckartsau weilte der Erzherzog, empfing hochrangige Gäste und ging seiner großen Leidenschaft – der Jagd – nach.

Bild von Erzherzog Franz Ferdinand in Eckartsau

Einblick in die Schlafräume in Schloss Eckartsau

Kaiser Karl I. und das Ende einer Ära in Schloss Eckartsau

Der berühmteste Bewohner ist jedoch Kaiser Karl I., wie ich später erfahre. Er und seine Familie fanden in den Mauern des Barockschlosses nach Beendigung des 1. Weltkriegs Zuflucht. Während ich mir die Geschichte anhöre, die so entscheidend für die kommenden Entwicklungen war, schlendere ich durch genau die Räumlichkeiten, in denen sie passierte. Werfe einen Blick auf den Schreibtisch, auf den Kaiser Karl den Verzicht auf die ungarische Regierungsausübung unterzeichnete und somit alle politischen Tätigkeiten offiziell zurücklegte (13.11.1918). Betrachte die Räume, in denen die Familie in den folgenden Monaten wohnte,  den Tisch, an denen sie ihr letztes Dinner auf österreichischem Boden einnahmen. Eine spannende Geschichte und ein ganz besonders Gefühl, an genau diesem Ort zu stehen.

Wohnräume der Familie Kaiser Karl I. in Eckartsau

 

Schreibtisch Kaiser Karl. I in Schloss Eckartsau

gedeckter Tisch

Der Schlosspark Eckartsau und die Donau Auen

Nach der Führung gönne ich mir einmal einen Kaffee im Innenhof des Schlosses. Auch wenn draußen schon sehr frühsommerliche Temperaturen herrschen, im Schloss selbst war es kühl. Die Sonne wärmt mich aber bald auf und so brechen wir zu einer weiteren Erkundung auf. Der Schlosspark von Eckartsau umfasst ein Areal von 27 Hektar und wurde in den letzten Jahren wieder nach den Originalplänen gestaltet.

Auf diversen Rundwegen (3,3km und 8,5km bis zur Donau) kann der Schlosspark besichtigt werden. Wir genießen die unberührte Natur, staunen über die alten, riesigen Bäume, die im knöchelhohen Gras einfach nur monumental wirken, entdecken die letzten Reste der Narzissen und jede Menge blühenden Bärlauch. Bei der Beobachtungsstation werfen wir einen Blick auf einen Altarm der Donau und kehren langsam wieder zum Schloss zurück. Ein leckeres Eis vor den Mauern ist der krönende Abschluss dieses feinen, entspanntens Ausflugs.

Das rät dir freets für deinen Besuch in Schloss Eckartsau

  • Das Schloss Eckartsau ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen
  • Zusätzlich gibt es eine interessante Ausstellung über die Donau-Auen und dessen Bewohner
  • Bei außertourlichen Festlichkeiten (wie Hochzeiten o.ä.) kann es dir passieren, dass Teile des Areals nicht zu besichtigen sind, oder die Führungen nur eingeschränkt stattfinden
  • Es gibt auch gegen Anmeldung Spezialführungen (in Keller und Dachboden, auch als Nachtführung)
  • Der Park ist barrierefrei und mit Kinderwagen zugänglich, das Schloss selbst leider nicht
  • Hunde sind im Schlosspark erlaubt, im Schloss selbst nicht
  • Einkehrmöglichkeit direkt im Schloss (Snacks und Getränke, sowie Mehlspeisen und Eis)
  • Parkplätze sind ausreichend vorhanden.

Nützliche Hinweise für deinen Ausflug

2305 Eckartsau, Schloss Eckartsau
Öffnungszeiten: Schloss: 26. März–1. November, Führungszeiten: 11:00, 14:00, 16:00
Schlosspark: ganzjährig geöffnet
Preis Schlossführung: Erwachsene: 12,00
Schlosspark: freier Eintritt
Dauer: ca. 2,5 Stunden; Führung: ca. 75min
Aktualisiert: Mai 2022
www.schlosseckartsau.at

Zuletzt besucht: Mai 2022

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