Das Schloss Eckartsau – ein Ort wo Geschichte geschrieben wurde

Schloss Eckartsau vom Garten aus, Ostfassade
Das Schloss Eckartsau ist nicht nur ein herausragender Barockbau, sondern ein geschichtsträchtiger Ort. Hier verbrachte die kaiserliche Familie rund um Karl I. von Habsburg ihre letzten Tage in Österreich.

kurz&bündig

Das Schloss Eckartsau im Marchfeld erlangte vor allem auf Grund der geschichtlichen Ereignisse Berühmtheit: hier verbrachte der letzte Kaiser Österreichs Karl I. seine letzten Tage auf österreichischen Boden und verzichtete auf die ungarische Herrschaft. Aber auch der Bau und dessen Ausstattung können sich sehen lassen und gehören zu den Highlights des österreichischen Barocks. Bei einem Besuch kannst du die Architektur, den Schlossgarten und die letzten Wohnräume Kaiser Karls I. in Österreich besichtigen.

Gut, als ich das erste Mal mit dem Jagdschloss Eckartsau zu tun hatte, hatte ich noch ziemlich wenig Ahnung, dass es eigentlich hinsichtlich Österreichichs Geschichte einen solchen bedeutenden Stellenwert einnimmt. Ich hab’ mich da eher mit dessen Bauherren und den architektonischen Besonderheiten beschäftigt, mit dessen Vorgeschichte und Ausstattung. Sprich, kunsthistorischer Zugang statt historischer, Fokus auf das 17. Jahrhundert, statt auf das 20. So wie hald’ oft bei mir, war der, für die meisten Besucher, wesentliche Aspekt ein Nebenprodukt des Besuchs, der natürlich aber auch dann wesentlich gewürdigt wurde.

Das Schloss Eckartsau

ein Meisterwerk in drei Akten

Was du also in Eckartsau zu sehen bekommst, ist kulturell top, so viel steht fest. Da gibt es einen wunderschönen, eleganten Barockbau zu besichtigen, samt den Räumlichkeiten des letzten Kaisers von Österreich. Und da gibt es einen großzügigen Garten um die Anlage, der zum Spazieren einlädt.

Schloss Eckartsau Einfahrtsbereich im Westen, Tor, Park und Teile der Westfassade
Das Schloss Eckartsau wird von einem großen Park umgeben. Die perfekte Kulisse für ein solches Bauwerk und ein idealer Ort, um mit einem Spaziergang einen Ausflug ausklingen zu lassen!

Erster Akt ab 1720: Die architektonische Seite in Schloss Eckartsau:

Ursprünglich war das Jagdschloss Eckartsau ein mittelalterliches Wasserschloss. Eine klassische Vierflügelanlage, umgeben mit einem Wassergraben, das vor allem ab dem 16. Jahrhundert oft den Besitzer wechselte. Entscheidend für seine Geschichte in architektonischer Hinsicht war das Jahr 1720: als der böhmische Adelige Graf Kinsky das Schloss erwarb und ab 1732 umgestalten ließ. Das wäre ja an und für sich noch nicht so entscheidend. Entscheidend war vor allem, dass er dafür erstklassige Künstler beauftragte: da fallen in Sachen Bau- und Ausstattungsgeschichte dann Namen wie Johann Lukas Hildebrand, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, Antonio Beduzzi, Daniel Gran oder Lorenzo Mattielli. Die, um es kurz zu halten, in kunsthistorischen Kreisen die besten Leute ihrer Zeit waren. Die nun in unterschiedlichem Ausmaß zum heutigen Bau beitrugen und ein großartiges und elegantes barockes Gebäude aus dem ehemaligen Wasserschloss machten, dass du heute innen sowie außen unter die Lupe nehmen kannst.

Westfassade Schloss Eckartsau
Schloss Eckartsau wurde von Joseph Emanuel Fischer von Erlach im 18. Jahrhundert umgebaut. Besonders ist die hervor schwingende Westfassade, die sich erst mit Durchschreiten der Schlossallee langsam dem Betrachter erschließt.

Treppenhaus im Schloss Eckartsau
Das Schloss Eckartsau gehört zu den herausragenden Barockbauten Niederösterreichs. Dessen Ausstattung wurde von Daniel Gran und Lorenzo Mattielli ausgeführt und steht ganz im Zeichen der ehemaligen Funktion als Jagdschloss: der Jagd.

Mit seiner großartigen, an den Ecken leicht zurückschwingenden, Hauptfassade, dem prunkvoll gestalteten Stiegenhaus und Festsaal im ersten Stock.

Zweiter Akt 1919: Geschichtsträchtige Ereignisse in Eckartsau

Wie schon gesagt, nicht nur kunsthistorischer wichtig ist das Schloss Eckartsau, sondern auch historisch. Denn dieser Ort ist nicht nur Geschichte, sondern hier wurde auch Geschichte geschrieben 1919. Grundlegend für die Geschehnisse war die Tatsache, dass das Schloss ab 1760 in Besitz der Familie Habsburg kam. Hinsichtlich gesellschaftlicher Stellung der Besitzer also nicht mehr ausbaufähig und ganz vorne dabei.

Das Ende einer Ära: Kaiser Karl I. und das Schloss Eckartsau

Grundlegend deswegen, weil es bis dahin in Besitz der Habsburger blieb. Und weil deswegen Kaiser Karl I. samt Familie nach Beendigung des 1. Weltkrieges und den Verzicht auf die österreichische Krone in Schönbrunn, das Schloss als Zufluchtsort aufsuchen konnte. Die letzten Tage, die die kaiserliche Familie in Österreich verbrachte war also hier, in Schloss Eckartsau. Von 11. November 1918 bis zum 23. März 1919 um genauer zu sein. Geschichte geschrieben deswegen, weil am 13. November 1918 Kaiser Karl auch auf die ungarische Regierungsausübung verzichtet und somit quasi alle politischen Tätigkeiten offiziell zurücklegte. Diese geschichtsträchtigen Orte, die ehemaligen Gemächer der kaiserlichen Familie, kannst du also auch in Schloss Eckartsau besichtigen.

Dritter Akt: der Schlossgarten in Eckartsau

Nachdem du das Schloss Eckartsau nun eingehend unter die Lupe genommen hast, alle Räume aufgesucht und die Architektur und Ausstattung kannst du noch einen ausgedehnten Spaziergang im umliegenden Schlosspark unternehmen. Das 27ha große Areal wurde in den letzten Jahren vom Bundesdenkmalamt und den Bundesforsten wieder nach Originalplänen gestaltet. Hier kannst du auf dem sogenannten Kaiserweg, die Lieblingsroute Kaiser Karl I., nochmals auf den Spuren des letzten Habsburgerkaisers wandeln oder einfach nur Wege einschlagen, die dir attraktiv erscheinen. Schön wird es so oder so sein. Außen vorbei am Schloss, lange Lindenalleen entlang, an künstlichen Wasserläufen und Baumriesen vorbei.

Schlosspark in Schloss Eckartsau nach Osten hinaus
Schloss Eckartsau wird von einem großen Schlosspark umgeben. Hier kannst du dich auf die Spuren Kaiser Karls I. begeben und auf seiner Lieblingsroute durch den Park spazieren.

Ein absolut empfehlenswerter Abschluss des Ausflugs. Oder du begibst dich bei passenden Wetter nochmal ins Schloss und lässt den Tag bei einem Kaffee im Innenhof ausklingen.

Das rät dir freets für deinen Besuch in Schloss Eckartsau

  • Du kannst das Schloss im Rahmen einer Führung besichtigen
  • Bei außertourlichen Festlichkeiten (wie Hochzeiten o.ä.) kann es dir passieren, dass Teile des Areals nicht zu besichtigen sind, oder die Führungen nur eingeschränkt stattfinden
  • Es gibt auch gegen Anmeldung Spezialführungen (in Keller und Dachboden, auch als Nachtführung)

Nützliche Hinweise für deinen Ausflug

2305 Eckartsau, Schloss Eckartsau
Öffnungszeiten: Schloss: 01. April–1. November, täglich 10:00–17:00
Schlosspark: ganzjährig geöffnet
Schlossführungen: täglich um 11:00, 14:00 und 16:00
Preis Schlossführung: Erwachsene: 10,50; Senioren: 9,50; Kinder/Schüler/Studenten: 06,00
Schlosspark: freier Eintritt
Dauer: ca. 2 Stunden
Zuletzt besucht: 2014
Aktualisiert: 13. August 2017
www.schlosseckartsau.at

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