Schon letzten Winter, als ich mit meiner Familie auf der Hubertusrunde in Schrattenbach unterwegs war und dabei zum G’länd‘ rüber geschaut habe, nahm ich mir vor, dass ich bald auch diesen Berg bezwingen werde. Denn, auch wenn die Wanderung auf diesen westlichen Ausläufer der Hohen Wand schon viele Jahre zurücklag, war mir die Landschaft und die Hütte noch schemenhaft in Erinnerung. Aufgefrischt durch zahlreiche wunderschöne Fotos auf Instagram vom Ausblick vom Gipfel und dennoch ein wenig verschwommen, was die Anstrengung des Aufstiegs betraf. Denn – wenn ich das als Kind geschafft habe, dann konnte es ja eigentlich nicht so dramatisch anstrengend sein. Offenbar ging es nicht nur mir so. Als ich vor ein paar Tagen aufschnappte, dass mein Bruder und mein Papa gemeinsam zur Geländehütte wandern wollten, zögerte ich nicht lange und schloss mit der Gruppe an. Dieses Mal also wieder eine Familienwanderung in ähnlicher Zusammensetzung, nur rund 30 Jahre später.
Über den Eselsteig auf direktem Weg zur Geländehütte
An einem sonnigen Vormittag ging es gemeinsam mit einem Teil meiner Familie nach Grünbach. Nach einigen Schritten lassen wir den Ort und das Auto beim Sportplatz hinter uns. Tauchen ein in den schon etwas herbstlich anmutenden Wald und gehen in Richtung Eselsteig. Noch ist es frisch, die Temperatur liegt diesen Morgen im einstelligen Bereich und der Weg im Schatten. Schritt für Schritt legen wir die 300 Höhenmeter zurück, die vor uns liegen. Auf direktem Weg, wie mir bald klar wird. Immer wieder kreuzen wir einen breiten Forstweg, der offenbar in gemütlichen Serpentinen den Berg hinaufführt. Unser Weg führt vorbei, steiler nach oben. Anfangs durch den schattigen Wald, später an der Sonne. Langsam entledigen wir uns unserer Jacken und Westen, die Höhenmeter und die stärker werdende Sonne machen sich bemerkbar.
Nur ab und zu bleiben wir stehen (vor allem, wenn wieder eine Kleidungsschicht in, oder die Wasserflasche aus den Rucksack gepackt wird), kommen wieder zu Atem und genießen die Umgebung. Den Wald, der sich immer weiter lichtet, den Enzian am Wegesrand und die Ausblicke, die jetzt schon immer spektakulärer werden. Ins Tal und auf die Fischauer Vorberge (ganz klar zu erkennen der Kienberg und Größenberg), die in einem leichten Dunstschleier liegen, darüber der strahlend blaue Himmel.
Oben am Gelände Almfeeling und Aussichten genießen
Nach 300 Höhenmetern und ungefähr einer Stunde Fußmarsch (es geht tatsächlich ohne Unterbrechung immer bergauf) sind wir oben. Stück für Stück schiebt sich die Geländehütte in unser Blickfeld. Der Kontrast des dunklen Holzes und der bunten Blumen an den Fenstern mit dem hellen Gras und vereinzelten Steinen der Almwiese sieht einfach großartig aus. Auch wenn die Hütte an diesem Freitag leider geschlossen hat, gönnen wir uns eine kleine Pause. Wir schlendern über die Almwiese, genießen die Aussicht vom Gipfelkreuz und natürlich den wirklich tollen Blick auf den Schneeberg. Der stetige Wind lässt uns aber die Pause abkürzen und so machen wir uns bald wieder auf den Weg retour.
Von Höhlenbären und längst vergangenen Zeiten
Natürlich nicht ohne vorher noch kurz das Geheimnis des Bären am Gipfel des Geländes zu lüften. Mitten auf der Wiese, unübersehbar beim Anstieg zur Hütte, wird hier ein Bär von einem Siedler angegriffen; und soll daran erinnern, dass sich hier vor langer Zeit selbst ein Höhlenbär herumgetrieben hat. Wohl auch der Siedler, denn nicht weit vom Gipfel konnten Siedlungsspuren nachgewiesen werden. Die Höhle, in denen Knochen des Höhlenbärs gefunden wurden, lässt sich noch heute erkunden. Nur ein paar Meter vom Gipfel entfernt liegt die Bärenhöhle, die wir ebenfalls genauer anschauen. Vor allem mein Bruder, der schon beim Aufstieg ständig von der Höhle gesprochen hat und perfekt ausgerüstet mit Taschenlampe die Gegend in Augenschein nimmt. Ich (nicht ganz so der Höhlenfan) begnüge mich ein paar Schritte entfernt vom sicheren Ausgang seinen Ausführungen zuzuhören.
Über die Scheimhütte zurück nach Grünbach
Der Rückweg über die Scheim geht wesentlich gemütlicher. Bergab, natürlich, und weniger steil, als es der Anstieg war. Bald schon finden wir ein gemütliches windstilles Pausenplatzerl und genießen die Aussicht und den (in weiser Voraussicht mitgebrachten) Proviant, während über unseren Köpfen ein Turmfalke und Rabe durch die Lüfte segeln. Später durchqueren wir kleine Waldstücke, eine große Wiese, die mit Enzian übersät ist und erreichen nach kurzer Zeit die Scheimhütte.
Die Hütte hat zwar nicht dieselbe Aussicht wie vom Gipfel zu bieten, liegt aber malerisch eingebettet zwischen zwei großen Wiesen und ist für eine ausgiebige Rast sicher genauso geeignet. Nach rund 3 Stunden erreichen wir wieder unser Auto mit dem festen Entschluss, bis zum nächsten Mal weniger als 30 Jahre vergehen zu lassen. Auch wenn die Tour für unsere Kinder wohl noch nicht wirklich geeignet ist.
Mein Fazit zur Wanderung aufs Gelände
Eine doch recht fordernde Wanderung, die aber mit großartigen Aussichten punktet. Besonders schön fand ich auch die Umgebung um die Geländehütte (bis auf die Tatsache, dass es sehr windig war), die Almwiese und den Weg retour bis zur Scheimhütte.
Weitere Tipps von freets
Parkplätze sind beim Sportplatz vorhanden.
Die Geländehütte hat nur am Wochenende geöffnet.
Die Tour ist nur eine von vielen. Sie kann beliebig verändert oder ergänzt werden. Von der Hütte bzw. vom Rastkreuz kann man bspw. auf die Hohe Wand zur Wilhelm-Eichert-Hütte weiter wandern.
Familientauglich ist die Wanderung nur für größere Kinder. Der Eselsteig erfordert Trittsicherheit und in diese Richtung ist es die erste Stunde wirklich steil. Andere Touren (wie der Weg zur Scheimhütte und von dort auf die Geländehütte) sind sicher besser geeignet.
Autorin Claudia Schlager
Reise-, Ausflugs- und Fotoenthusiast, Storyteller, 2fache Mädchenmama, Kunsthistorikerin, Genussmensch und Naturliebhaberin aus dem südlichen Niederösterreich. Mit freets verbinde ich seit 2015 einen Großteil meiner Leidenschaften und gebe regelmäßig Einblick in meine kleinen und großen Entdeckungen.
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